Der Kommentar: Schwere AKW-Unfälle hatten immer Folgen für die Schweizer Atomkraftwerke. Schliesslich sollen sich die Fehler nicht wiederholen. Die Schweizer Atomaufsichtsbehörde analysiert jeweils den Vorfall und verfügt oder empfiehlt entsprechende Massnahmen, welche die Sicherheit erhöhen sollen.

Welche Massnahmen das sind, entscheidet heute das Ensi alleine. Als einzige Behörde kann es die AKW-Betreiber befragen und von ihnen Unterlagen einfordern. Das war jedoch nicht immer so: Im Jahr 2006 ereignete sich im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark 1 ein Zwischenfall. Die damalige Schweizer Atomaufsicht untersuchte den Vorfall und ordnete Verbesserungen an. Der damals noch existierenden Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen gingen indes die Lehren, welche die Atomaufsicht aus diesem Vorfall gezogen hat, zu wenig weit. Sie empfahl zusätzliche Massnahmen.

Heute gibt es zwar eine unabhängige Kommission für nukleare Sicherheit. Eine Zweitmeinung kann diese aber nur noch unter erschwerten Bedingungen verfassen. Denn seit 2008 ist es ihr nicht mehr erlaubt, die Schweizer AKW-Betreiber direkt zu befragen.

Was also bei Forsmark möglich war, gilt für Fukushima nicht mehr. Was bei ärztlichen Gutachten selbstverständlich ist, wird bei der Untersuchung von Atomunfällen verunmöglicht: eine Zweitmeinung einer unabhängigen Instanz. Das ist ein sehr unschöner Zustand, den der Bundesrat schnellstmöglich ändern sollte.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!