Der Kommentar: Es gibt nichts, was wir von Nella Martinetti nicht gewusst hätten. Keine Seelenqual hat sie uns vorenthalten und kein körperliches Leiden ist von ihr unerwähnt geblieben. Die Exhibition nahm bisweilen bizarre Züge an.

Die Tessiner Sängerin ist beileibe kein Einzelfall. Auch der einstmals so populäre Sportreporter und TV-Star Mäni Weber, der 2006 gestorben ist, schien nur schwer zu verkraften, dass die Scheinwerfer plötzlich nicht mehr auf ihn gerichtet waren. Er ersetzte das fehlende Publikum durch Alkohol und drängte im hohen Alter zurück in die Medien. Hätte er es doch gelassen, denn diese letzten Auftritte zeigten Mäni als alten, kranken und eitlen Menschen. Man hätte den einstigen Strahlemann gerne positiver in Erinnerung behalten.

Wenn sich Menschen wie Weber und Martinetti selber bis zur Grenze des Erträglichen zur Schau stellen: A la bonheur. Vollends geschmacklos aber ist, wer den Tod eines Partners dazu benutzt, sich medial im Gespräch zu halten. Die Sängerin Vreni Margreiter äusserte sich immer wieder «exklusiv» über den selbst gewählten Tod ihres Ehemannes Rudi. So sorgte sie zwar dafür, dass sie selber nicht in Vergessenheit geriet. Dem Ruf war die Totenfledderei allerdings nicht zuträglich. Im Vergleich mit Brigitte Voss-Balzarini war Margreiter indes geradezu heilig. Die Freundin von «Gotthard»-Sänger Steve Lee inszenierte und kultivierte ihre Trauer um den tödlich verunglückten Musiker mit einer Penetranz, die man nur noch unappetitlich nennen konnte.

Wie wohltuend, wenn ein junger Sportstar wie Ariella Kaeslin am Ende der Karriere zur Erkenntnis kommt: «Bekannt zu sein, in den Medien zu kommen – das ist nicht das, was glücklich macht.»

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