Der Kommentar: Im akademischen Elternhaus studiert es sich leichter, sagen die Statistiker. Dieser Befund bekommt dank der Uni Zürich eine neue Bedeutung. Denn nun kann der Anwaltspapa am heimischen Laptop gleich selber in die Tasten greifen und die Noten des Stammhalters aufpeppen. Doch dass Nachwuchsjuristen nun von zu Hause aus Tests schreiben dürfen und dabei leicht schummeln können, lenkt vom eigentlichen Problem ab.

Die Universitäten wurden durch die Bologna- Reform zu bürokratischen Monstern. Jede Vorlesung, jeder Kurs, jede Übung muss mit einem Leistungsnachweis abgeschlossen werden. Die Betonung liegt dabei auf Nachweis. Denn ob dahinter auch Leistung steckt, bleibt unklar. Mancher Student lässt seine schriftliche Arbeit von einem Ghostwriter verfassen. Dank der neuen Prüfung von zu Hause aus können solche nun ihren Geschäftsbereich erweitern und wie in einer Quizshow ihre Dienste als Publikumsjoker anbieten.

Ein Semester nach dem Online-Examen müssen die Studierenden ohnehin zur Real-life-Prüfung antreten, rechtfertigt sich die Uni Zürich. Dann könnte man den ersten Test auch einfach weglassen. Weniger, dafür sinnvolle Prüfungen wären fairer. Zudem würde durch weniger Leistungsnachweise nicht nur den ehrlichen Studierenden der Alltag erleichtert. Wegen der bevorstehenden Prüfungen und Abgabetermine müssen nämlich auch Bibliothekarinnen und Putzleute über Weihnacht und Neujahr Sonderschichten schieben.

Pascal Ritter studiert an der Universität Zürich und ist Journalist.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper