Die Tumulte in der Turnhalle sind ein Tiefpunkt der demokratischen Diskussion – «10vor10» zeigte die beschämenden Szenen vorgestern noch vor dem Bericht über die Grossdemonstration in Ägypten.

Der Streit um die Asylunterkunft ist ein Musterbeispiel für Politik- und Behördenversagen. Denn, Hand aufs Herz: In der Sache hat die Bettwiler Bevölkerung recht. Es stimmt doch etwas nicht, wenn ein 560-Einwohner-Ort 140 Asylbewerber aufnehmen muss. Das ist ein Missverhältnis. Wer also hat hier Fehler gemacht?

Erstens der Bund: Das Militärdepartement VBS und das Bundesamt für Migration BFM haben es versäumt, sich auf den absehbaren Flüchtlingsstrom aus Nordafrika vorzubereiten und grössere, abgelegene Unterkünfte bereit zu machen, wie dies FDP-Nationalrat Philipp Müller seit langem fordert. Nun will der Bund die Asylbewerber überstürzt nach Bettwil schicken – in eine Unterkunft, die völlig ungeeignet ist, wie unser Reporter Toni Widmer schnell merkte, als er die einst geheime Militäranlage gestern besuchte.

Zweitens der Kanton: Dass sich die grüne Regierungsrätin Susanne Hochuli in Bettwil der Diskussion stellte, verdient Respekt. Aber sie hätte früher merken müssen, dass Bettwil für die Unterkunft ungeeignet ist – und dies dem Bund klipp und klar mitteilen müssen. Die Gemeinde wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Schliesslich hat der Bettwiler Gemeinderat versagt. Der Ammann hätte einschreiten müssen, als Votanten jeden Anstand verloren. Bei allem Verständnis für den Unmut: Man diskutierte über Flüchtlinge und nicht über Aussätzige!

Jetzt also sind die Bettwiler landesweit als «Mob» oder als «Hooligans» bekannt. Schuld sind ein paar Hitzköpfe. Es ist aber zu einfach, auf die bösen Bettwiler zu zeigen. Denn machen wir uns nichts vor: Szenen wie im Dorf an der Sonne gäbe es in einem solchen Fall auch in den meisten Gemeinden unter dem Nebel.

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