Der Kommentar: 2012, als Michael Lauber als Bundesanwalt anfing, dauerten die Ermittlungen gegen den angeblichen Millionenbetrüger Dieter Behring bereits fast acht Jahre. Lauber wollte sich danach als «Retter» des Verfahrens profilieren. Er setzte es völlig neu auf und zielte nur noch auf Behring, die übrigen neun Beschuldigten liess er im Hauptverfahren laufen. Die Überlegung wohl: Das Volk wollte Behrings Kopf, und durch diese Fokussierung auf den grossen Guru winkte ein sicherer und schöner Erfolg vor dem, man muss es sagen, befreundeten Bundesstrafgericht in Bellinzona. Ob noch andere Motive mitspielten, wird sich zeigen. Ein Beobachter im Prozess sagt es treffend: «Michael Lauber wollte der Bärentöter sein.»

Aber nun besteht der Verdacht, dass Lauber bei seiner «Fokussierung» auf Behring wichtige Rechtsgrundsätze über Bord warf. Sollte der Bundesanwalt vor Gericht tatsächlich falsch ausgesagt haben, wäre dies das Ende einer Karriere. Vom Bundesanwalt, der auf seine Unabhängigkeit pocht und sein internes Controlling rühmt, muss man erwarten können, dass er seine Verfahren kennt. Und erst recht, dass er die Wahrheit sagt, wenn er vor Gericht befragt wird. Und vom Gericht muss man erwarten können, dass es Laubers Rolle kritisch hinterfragt.

Der Prozess in Bellinzona gegen Behring und Mitbeschuldigte wäre heute längst abgeschlossen, wenn Lauber 2012 die Anklage hätte laufen lassen wie geplant. Vielleicht hätte es Freisprüche gegeben. Na und? Aber das Verfahren hätte seinen korrekten Lauf genommen. Nun aber drohen weitere Rückschläge für die Anklage im Behring-Prozess. Und ein ruinierter Ruf der Justiz dazu.

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