Der Kommentar: Ich kenne es. Das Gefühl, das einen überkommen kann, wenn es frisch geschneit hat. Dann schlägt auch mein Herz schneller und in Gedanken kurve ich bereits durch einen unverspurten Hang. Es ist wie fliegen, nur dass zwischendurch das Gesicht mit Pulverschnee bestäubt wird. Ich möchte diese Abfahrten nicht missen. Sie sind für mich der Inbegriff von Winter und Freiheit.

In den vergangenen Jahren hat es einen regelrechten Freeride-Boom gegeben. Immer mehr Wintersportler sind nicht nur auf der Piste unterwegs, sondern es zieht sie in die Neuschneehänge unweit der Skilifte. Viele sind gut ausgerüstet. Sie fahren Rockerskis, die ihnen im Tiefschnee wegen der negativen Vorspannung Auftrieb geben, sie tragen Helme, Lawinensuchgeräte und teilweise sogar Airbags. Doch all diese technischen Hilfsmittel geben ein falsches Gefühl der Sicherheit.

In 90 Prozent aller Lawinenunfälle löste der verunfallte Schneesportler selber die Lawine aus. Und sobald sich die gewaltigen Schneemassen zu bewegen beginnen, ist es trotz Suchgerät und Airbag nicht sicher, dass man aus der Lawine fahren kann oder lebend aus den Schneemassen gerettet wird. Die Natur ist unberechenbar und wild. Das sollte sich vor Augen halten, wer sich am Morgen das teure Equipment aus dem Outdoorshop umschnallt.

Weniger Lawinentote erreicht man nicht mit mehr Regeln und Bussen, sondern nur dann, wenn unter den Freizeitsportlern ein Umdenken stattfindet. Der Respekt vor den Naturgewalten sollte wieder stärker in den Fokus rücken, und nicht ob man die neusten Ski, das beste Lawinensuchgerät oder als Erste Spuren im Tiefschneehang gezogen hat.

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