Der Kommentar: Bildung, so heisst es, ist in der rohstoffarmen Schweiz das höchste Gut. Das ist so. Das soll so bleiben. Trotzdem müssen die Schulen sparen. Nur: Egal, wo der Rotstift angesetzt wird, die Betroffenen schreien auf. Woran soll man sich also orientieren, wenn die Emotionen hochgehen? Die Antwort ist simpel: an der Wissenschaft. Das gilt im Bildungsbereich noch stärker als anderswo.

Eine neue Studie zur Effektivität zusätzlicher Lektionen zeigt, dass ab einer gewissen Stundenzahl die Leistung nur noch geringfügig steigt. Anstatt nun weniger Stunden per se zu verteufeln, sollten Regierung, Parlament und Lehrer die Chance erkennen. Die Chance zu sparen, die Chance auf mehr Effizienz. Mann muss nicht ganze Fächer streichen, sondern sollte fragen, wo die zusätzlichen Gewinne nicht mehr relevant sind. Dass das funktionieren kann, beweist das föderalistische Schulsystem. St. Galler Kinder – mit landesweit den meisten Stunden– sind nicht zwangsläufig die klügsten, Luzerner (am wenigsten) nicht die schwächsten.

Einem Trugbild beugen die Erkenntnisse der Studie ebenfalls vor: Die Schule muss Kindern nicht alles abnehmen. Es ist gar nicht so lange her, da verbreiteten hierzulande Schüler, Lehrer und Politiker aufgeregt einen Tweet einer jungen Deutschen: «Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.» Wenn das stimmt, könnte man wohl eine Stunde Gedichtsanalyse streichen. Doch wichtiger: Schulen müssen nicht auf alles eine Antwort liefern, sie müssen Jugendlichen das Wissen und die Werkzeuge geben, mit allem fertig zu werden. Beweisen können das Schüler ohnehin nur ausserhalb des Klassenzimmers.

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