Die Schweizer Erziehungsdirektoren kritisieren die aktuelle Pisa-Studie. Die neuste Erhebungsmethode verfälsche die Daten. Der Lehrerverband stellt gar die Teilnahme am internationalen Schülervergleich infrage.

Der Kommentar:
Für einmal bewegten sich die Bildungsexperten mehr auf Kindergarten- als auf Professorenniveau. Pisa-Chef Andreas Schleicher konterte diese Woche die Schweizer Bedenken an der Studie mit dem Verweis auf ein Märchen: Das alles erinnere ihn doch sehr stark ans Rumpelstilzchen. Und die Schweizer Seite? Die Erziehungsdirektoren versteiften sich auf methodische Mängel. Die Ergebnisse oder eben Nicht-Ergebnisse wurden rauf und runter diskutiert, vernebelten aber den Blick auf einen entscheidenden Punkt: Die Studie erhebt nicht nur die nun so umstrittenen Leistungen, sondern auch die Motivation unserer Schüler. Und die ist – da gibt es keine zwei Meinungen – im internationalen Vergleich erschreckend tief.

Die Schüler in Singapur sind nicht nur in ihren schulischen Leistungen top, sondern auch top motiviert. Anstatt die gesamte Energie auf methodische Mängel zu richten, wären andere Fragen angebracht: Wie schaffen es Schule, Lehrer und Eltern, ihre Kinder für Naturwissenschaften zu begeistern? Warum lesen viele Schüler nicht mehr gern? Wie lässt sich das ändern? Im Kindergarten und der 1. Klasse sind die Kleinen oft enthusiastisch, aber irgendwann bleibt die Motivation offenbar auf der Strecke. «Menschen werden in etwas nur wirklich gut, wenn sie es lieben», sagte schon der legendäre Präsident der US-Elite-Universität Stanford, John Hennessy. In einer sich schnell ändernden digitalen Welt mit komplett neuen Berufszweigen würde mehr Begeisterung für die Naturwissenschaften guttun. Davon würde auch die Schweiz profitieren, Methode hin oder her.

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