Der Kommentar: Nichts ist mehr übrig vom stolzen Vorort, dem Vorgänger-Verband von Economiesuisse, dessen Direktor einst ehrfürchtig als achter Bundesrat gehandelt wurde. In jüngster Zeit erntete der Dachverband der Wirtschaft nur noch Häme, war Synonym für einen realitätsfremden AbzockerKlub, einen gut betuchten MilliardenkampagnenVerein und – spätestens seit dem Debakel rund um die Minder-Initiative – auch Sinnbild für einen schlechten Abstimmungsverlierer. Ein Neuanfang tut deshalb dringend not. Denn mit den diversen Abstimmungen zur Personenfreizügigkeit stehen in den nächsten zwei Jahren für die Wirtschaft gleich mehrere existenziell wichtige Geschäfte auf der politischen Agenda.

Mit der Fokussierung die Kernthemen hat der Dachverband die einzig richtige Entscheidung getroffen. Nur wenn er sich künftig auf einige wenige Grundbedürfnisse der Gesamtwirtschaft beschränkt, wird er überleben und vielleicht sogar wieder eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Diskurs spielen können. Die Zeiten, als der Verband zu allen noch so partikularen Fragen eine passende Antwort hatte, sind vorbei: Zu divergent sind heute die Interessen der einzelnen Branchen, zu gross die Gegensätze zwischen Werk- und Finanzplatz, zwischen export- und binnenorientierter Wirtschaft, zwischen den multinationalen Grosskonzernen und den KMU. Das haben die kräfteverschleissenden Grabenkämpfe der Vergangenheit deutlich gezeigt. Economiesuisse bleibt nichts anderes übrig als Macht an die einzelnen Branchenverbände abzugeben. Nur so kann er für die entscheidenden Fragen seine Schlagkraft zurückgewinnen.

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