Der Kommentar: Einen Glaubenskrieg zeichnet aus, dass er nicht endet. Er kann nicht enden, weil beide Seiten die reine Wahrheit für sich beanspruchen. Eigentlich die schlimmsten Voraussetzungen für die Forschung. Dort gilt: Wissen ist alles, Glaube ist nichts – und doch ist die Wissenschaft in einen Glaubenskrieg geraten. Kann man Forschung kaufen? Ja, sagen besorgte Wissenschafter wie die Verfasser des Zürcher Appells. Nein, sagen Rektoren wie Patrick Aebischer, der heikles Sponsoring auch schon als «Journalistengeschwätz» abtat. Doch der Kreis lässt sich durchbrechen, wenn Hochschulen tun, worin sie am besten sind: Wissen schaffen. Die Universität Zürich plant eine öffentliche Datenbank, die sämtliche Verflechtungen offenlegt. Aus Glaube wird Wissen.

Nun müssen die restlichen Hochschulen nachziehen. Das ist aus zwei Gründen unerlässlich: Erstens lässt sich nur so sicherstellen, dass Forschung nicht gekauft ist. Zweitens holt die Transparenz das Sponsoring aus der Schmuddelecke. Seit Monaten klagen Bildungsvertreter vom Kindergarten bis zur ETH über Sparmassnahmen. Auch der Verbleib im lukrativen EU-Programm Horizon 2020 ist fraglich. Doch Spitzenforschung kostet Geld. Die besten Hochschulen der Welt, Stanford, Harvard und das MIT, haben längst lukrative Verträge mit Sponsoren geschlossen. Als gekauft gilt ihre Forschung trotzdem nicht. Ein bisschen von der amerikanischen Gelassenheit würde uns guttun. In den USA beklagt man sich nicht über Sponsoren, sondern über die horrenden Studiengebühren. 50 000 Dollar kostet ein Bachelor. Das sollten wir unseren Studenten ersparen – durch transparentes Sponsoring.

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