Für Nestlé ist die Schweiz, gemessen am Umsatz, kein wichtiges Land. Und doch spricht Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck in unserem Interview über kein Thema so leidenschaftlich wie über die Schweiz, wo Nestlé inzwischen 9000 Mitarbeiter zählt – Tendenz steigend, trotz Rezession.

Der Österreicher Brabeck gibt zuerst eine Liebeserklärung ab an seine Wahlheimat, um dann zu warnen: Die Rechtssicherheit, einer der wichtigsten Standortvorteile, sei «aufgeweicht worden». Die Politik sei wegen inneren und äusseren Drucks eingeknickt. Brabeck droht sogar mit der Verlagerung des Hauptsitzes ins Ausland, sollten staatliche Lohnobergrenzen eingeführt werden. Dies fordert eine Juso-Volksinitiative (Lohnschere 1:12).

Ähnlich äusserte sich vor einigen Monaten der Chef eines anderen Schweizer Weltkonzerns, Novartis-CEO Daniel Vasella. Er beklagte eine «Erosion der Rahmenbedingungen» und dachte öffentlich über einen Wegzug aus Basel nach. Auch aus den beiden Grossbanken UBS und CS verlautete in letzter Zeit, wenn die Eigenmittelvorschriften zu strikte würden, könne man Teile der Bank anderswo ansiedeln.

Müssen wir Angst haben, dass diese Unternehmen die Schweiz verlassen? Diese Gefahr ist klein, und sie ist wegen der Wirtschaftskrise noch kleiner geworden. Wohin sollen die Konzerne denn ziehen? Die meisten Länder erhöhen ihre Steuern wegen steigender Staatsdefizite massiv – im Gegensatz zur Schweiz. Neue Standortvergleiche, etwa derjenige des WEF von dieser Woche, sehen die Schweiz ganz vorn.

Peter Brabeck sagt auch: «Wir sind stolz auf unsere Schweizer Geschichte, deshalb haben wir eine rote Flagge mit weissem Kreuz auf unserem Gebäude.» Ich bin sicher: Dabei wird es bleiben.