Welsche Debattierlust

Die Asyl-Analyse des älteren Herrn am Stammtisch, die ich mitbekam, frappierte mich. Sie hätte von einem versierten Asylpolitiker stammen können. «Genf hat dieselben Probleme wie das Tessin», erklärte er. «Aus Süditalien kommen Kriminelle ins Tessin. Und aus den Vororten von Lyon Banden nach Genf.» St. Gallen und Basel seien in einer anderen Situation: «Dort kommen nur echte Grenzgänger.»


Der Genfer richte sich medial sehr stark an Frankreich aus, wurde ich vorgewarnt. Ich zumindest erlebte das als Mär. Immer wieder fielen Namen von Schweizer Bundesräten: Simonetta Sommaruga, Alain Berset, Didier Burkhalter. Auch bei den Gesprächen mit Regierungspräsident Pierre-François Unger und Finanzminister David Hiler.

Diese Gespräche dauerten statt der vorgesehenen je dreissig Minuten sechzig und neunzig Minuten. Die politische Debattierlust in Genf ist gross. Und das auf hohem Niveau. Ob bei Politprofis. Oder am Stammtisch.

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