Was schnell klar wurde: Barack Obama ist es wohler im Kreis umgeben von potenziellen Wählern, anstatt hinter einem Rednerpult neben seinem Gegner zu stehen. Bei der Beantwortung der Fragen in der Arena erschien Obama agiler und emotionaler im Vergleich zur ersten Debatte. Vor zwei Wochen wirkte er oft desinteressiert und gelangweilt, da er während Romneys Ausführungen ständig auf seine Notizen blickte. Dieser Anfängerfehler unterlief ihm diesmal nicht. Er hatte seinen Herausforderer stets im Auge.

It’s still the economy, stupid!
Gleichzeitig führte diese Debattenform mit der Arena dazu, dass es einige aggressive Momente gab, bei denen sich Romney und Obama sehr nahe kamen. Sie beschuldigten sich gegenseitig, falsche Aussagen zu tätigen. Zum ersten Mal spürte man die persönlichen Animositäten zwischen den beiden Kandidaten. Vor allem Romney war zuweilen geschickt darin, den Präsidenten direkt mit Fragen zu löchern und ihn somit in die Rolle des Angeklagten zu versetzen.

Obama rechtfertigte sich und schlug zurück, so wie es sein Vize Joe Biden vergangene Woche gegen Paul Ryan vorgemacht hatte. Manchmal schien es, als würde Mitt Romney wanken und nervös werden. Doch der Republikaner hielt sich gut, und brachte die Diskussion stets auf die Wirtschaft zurück. Er versprach Millionen von neuen Jobs und erwähnte immer und immer wieder seinen Fünf-Punkte-Plan – allerdings weiterhin ohne wirklich konkret zu werden. Dennoch dürfte er mit der Betonung auf neue Jobs den einen oder anderen unentschlossenen Wähler für sich gewonnen haben.

Effektvolles Comeback
Obama hatte seine stärksten Momente bei Fragen zu Lohngleicheit, Waffenkontrolle und die Terrorattacke in Libyen. Vor allem bei den Ausführungen zu Libyen sah man Obama den Leader und obersten Befehlshaber des Landes in der Arena. Romney probierte ihn zwar für die unklare Kommunikation der Regierung in die Enge zu treiben. Aber ohne Erfolg. Barack Obama reagierte harsch und kritisierte Romneys Versuch, den Anschlag einen Tag später politisch auszuschlachten. Obama war offensichtlich in seiner Ehre verletzt und machte dies emotional und effektvoll klar.

Präsident Obama hat die heutige Debatte in New York knapp gewonnen und damit aus seiner Sicht das Schlimmste vorerst verhindert. Eine weitere Niederlage, und Romney hätte ihn wohl kurz vor der Ziellinie überholt. Dennoch wird es für Obama schwierig, die erste, für ihn miserable Debatte und nicht zuletzt die schlechten Wirtschaftszahlen vergessen zu machen. Noch hat er eine letzte Chance, als Sieger aus den drei Debatten zu gehen. Voraussetzung ist ein erneut engagierter Auftritt wie heute. Doch muss Obama gleichzeitig auf einen schwachen Tag von Romney hoffen.