Der kürzlich verstorbene Intellektuelle Umberto Eco hatte eine ganz besondere Beziehung zur Kirche. Bis ins junge Erwachsenenalter nahm er intensiv am religiösen Leben teil. Erst als er seine Doktorarbeit über Thomas von Aquin verfasste, kam der Bruch. Er wurde zum Agnostiker und trat aus der Kirche aus. In späteren Jahren versöhnte er sich: «Ich unterhalte eine sentimentale Beziehung zu einer Welt, die einmal die meine war», sagt er im Filmporträt «Mein Leben».

Für eine wachsende Zahl von Menschen haben die Kirchen ihre ursprüngliche Funktion verloren: Sie sind weder Ort spiritueller Versenkung, noch stiften sie Gemeinschaft. Was bleibt, ist die Erinnerung daran. Doch auch die dürfte über die Generationen verloren gehen. Für viele Kinder ist der Kirchgang zur Pflichtübung geworden, um genügend Punkte für die Konfirmation zu sammeln.

Keine Pflichtübung ist der Kirchenbesuch für Migranten. Davon zeugen Menschenansammlungen vor Kirchen am Sonntagmorgen. Die Kirche ist wichtig für die Gemeinschaft. Sie schweisst zusammen, bietet Orientierung. Ohne Migranten würden sich die Kirchen noch schneller entleeren.

Nach 2000-jähriger Erfolgsgeschichte ist das Christentum auf dem Rückzug – in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern. Global betrachtet sieht die Sache hingegen anders aus. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist christlich. Amerika, Sub-Sahara-Afrika, Europa, Ozeanien und viele Länder Asiens sind fest in Händen christlicher Kirchen. Schaut man den Globus an, so stellt man fest: Wenn eine Religion das Label Weltreligion verdient hat, dann ist es das Christentum. Und das dürfte noch eine Weile so bleiben.

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