Der Kommentar: Bizarre Inszenierungen seiner selbst sind die Wahlkampfauftritte des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Mit brachialer Rhetorik, Lügen und grandiosen Versprechungen, an die er wohl selbst nicht glaubt, hat er einen unerwarteten Siegeszug durch Amerika angetreten. Manchen Beobachter schaudert es bei der Vorstellung, dieser zügellose Egomane könnte am 8. November zum nächsten Präsidenten der USA gewählt werden. Es braucht keine psychologische Ausbildung, um in Trump einen Narzissten zu erkennen, der mit der Darstellung seiner scheinbaren Omnipotenz die Inhaltsleere seines Programms übertüncht.

Er ist nicht der Einzige: Wir leben im Zeitalter des Narzissmus, diagnostizierte schon Ende der 1970er-Jahre der amerikanische Geschichtsprofessor Christopher Lasch. Die Digitalisierung der persönlichen Beziehungen mit Hunderten virtuellen Freunden auf Facebook und eine überbordende Selfie-Kultur machen die permanente Selbstdarstellung zu einem globalen Phänomen, das längst nicht nur Politiker und Prominente erfasst. Dass Menschen von sich selbst berauscht sein können, hatten schon die griechischen Mythologen mit der Sage des Narziss erkannt, der so in sein Spiegelbild im Wasser vernarrt war, dass er sich darin ertränkte. Tötet Narziss in der antiken Sage nur sich selbst, haben mächtige Narzissten in der Geschichte schon ganze Völker geopfert.

Gerne sieht sich Trump auch in der Pose des Wohltäters, der andere an seinem Reichtum – wie gross dieser ist, weiss freilich niemand – teilhaben lässt. Im Gegensatz zu modernen Philanthropen wie Bill und Melinda Gates, Mark Zuckerberg und Priscilla Chan, Warren Buffet oder Alice Walton, dient sein Engagement allerdings vornehmlich eigenen Zwecken.

Viele Tech-Milliardäre und weitere der weltweit wohlhabendsten Persönlichkeiten haben sich mit «Giving Pledge» verpflichtet, den grössten Teil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu verwenden. Sie liessen sich vom Stahl-Tycoon Andrew Carnegie inspirieren, der schon 1889 in seinem Buch «Das Evangelium des Reichtums» schrieb: «Wer reich stirbt, stirbt in Schande.» Nicht nur ich habe darüber bereits geschrieben und Referate gehalten. Denn beim «Giving Pledge» geht es nicht darum, sich mit seinem Handeln ins Rampenlicht zu stellen, sondern alle zur Verfügung stehenden Mittel und Möglichkeiten auszuschöpfen, um etwas zu bewegen.

Als ehemalige oder immer noch aktive Unternehmer wollen diese Philanthropen nicht einfach nur «geben», sondern auch Resultate erzielen und sind dafür bereit, einiges zu riskieren. «Wir müssen heute Risiken eingehen, um für morgen zu lernen. Viele Dinge, die wir versuchen, werden nicht funktionieren – aber wir hören zu, lernen und werden uns ständig verbessern» wie es Mark Zuckerberg und Priscilla Chan formulieren. Sie wollen weltweit Philanthropen zusammenbringen , damit diese voneinander lernen, sich austauschen und Kooperationen eingehen.

Und wo könnte dieser Gedanke auf fruchtbareren Boden fallen als in der Schweiz, in der sich mehr als 13 000 Stiftungen für unterschiedlichste Anliegen engagieren und sich zunehmend auch in die gesellschaftliche und politische Diskussion einmischen? Natürlich sind nach wie vor finanzielle Mittel gefragt, um Initiativen in jenen Gebieten zu ergreifen, die von der Politik oder der Wirtschaft zu wenig berücksichtigt werden. Mehr denn je ist aber das Wissen der Philanthropen und ihrer Stiftungen gefragt sowie ihr grosses, internationales Netzwerk, das sie über die Jahre in einem regen Austausch geknüpft haben.

Neu ist in der Schweiz, dass Philanthropen vermehrt auch über ihr Engagement sprechen, ganz nach dem Motto: «Tue Gutes und sprich darüber.» Auch um andere damit anzustecken. Themen wie Bildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Schweiz bestimmen massgeblich, in welche Richtung sich unser Land entwickelt und sollen darum öffentlich debattiert werden. Das ist zumindest meine Meinung.

Mitgestalten, sich einmischen und damit seine Haltung kundtun, dabei kann man schlecht unsichtbar bleiben. So gesehen kann das Engagement von Philanthropen durchaus als narzisstisch wahrgenommen werden. Am Ende zählt das Resultat. Wenn die Bill und Melinda Gates Stiftung ihr Ziel, die Welt von Malaria zu befreien erreichen kann, ist uns allen mehr geholfen, als mit einem amerikanischen Präsidenten, der mit seiner Prophezeiung von grenzenloser Kraft und ewiger Grösse «make America great again» ruft.

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