Florian hatte kein sicheres Zuhause. Er starb ein paar Stunden vor seinem 5. Geburtstag, weil sein Vater nicht wollte, dass er diesen erlebt. «Das hat er mit Absicht am Vorabend des Geburtstags gemacht», sagt sein erster Sohn Reto. Er hat die dunkle Seite seines Vaters am eigenen Leib zu spüren bekommen. Dieser wollte ihn vor 20 Jahren umbringen. Er würgte ihn, schlug ihm mit einem Ast auf den Kopf und warf ihn in eine Schlucht. Seither ist Reto behindert und ein IV-Fall.

Ich habe Reto – er ist heute 33 – gesehen und mit ihm gesprochen. Er ist ein Mahnmal für das, was Eltern ihren Kindern antun können. Trotzdem hat sein Vater das Obhutsrecht für Florian bekommen. Es wäre zu kurz gegriffen, den Behörden von Bonstetten zu unterstellen, sie hätten den Fall nicht ausreichend geprüft. Aber letztlich waren sie Laien. Es ist offensichtlich, dass in solch komplexen Sachverhalten endlich Profis herangezogen werden müssen. Das sagt selbst der Gemeindepräsident von Bonstetten und er will es als erste Lehre aus dem Tod Florians verstanden haben.

Laien- und Milizbehörden sollen also einer Fachbehörde weichen. Genau das will die Revision des Vormundschaftsrechts, geplant für 2013. Nur ein Kanton tut sich damit schwer, blockt und verzögert. Es ist ausgerechnet Zürich. Justizdirektor Markus Notter hätte nach Florians Tod in Winterthur ein Zeichen setzen können und eine rasche Umsetzung der Revision in Aussicht stellen können. Doch das Gegenteil ist der Fall. Was 100 Jahre Bestand hatte, könne nicht in kurzer Zeit umgebaut werden, so die Argumentation aus der Justizdirektion. Das ist menschlich unsensibel und politisch bedenklich.

Wem es ernst um das Wohl unserer Kinder ist, der schafft zumindest alle gesetzlichen Grundlagen. Das mag keine Sicherheit dafür sein, dass sich ein Fall Florian nicht wiederholen wird. Aber das Netz muss dichter und professioneller gespannt werden. Kinder brauchen ein sicheres Zuhause. Vielleicht sollte sich Herr Notter mit Reto treffen.