Noch komfortabler ist die Finanzierungslage für die öffentliche Hand. Der Schweizer Bund muss derzeit gar keine Zinsen für Geld bezahlen. In der kurzen bis mittleren Frist bekommt der Staat Geld dafür, wenn er Schulden macht. Die Schweiz kann auf dem Kapitalmarkt Geld beschaffen und muss später weniger an die Gläubiger zurückgeben. Selbst bei langen Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren muss die Schweiz weniger als 1Prozent Zins zahlen.

Doch der Staat macht nicht das, was die Privaten tun. Und das ist falsch. Bund, Kantone und Gemeinden sollten die Gunst der Stunden nutzen und gezielt Investitionen tätigen. Wir könnten uns vieles leisten: zum Beispiel ein schnelles Glasfaser-Netz oder längst überfällige Ausbauten des Stromnetzes. Ganz zu schweigen von Investitionen ins chronisch verstopfte Strassennetz und den Schienenverkehr.

Ja, man könnte das Geld, das wir geschenkt bekommen, auch in Abwassersanierungen stecken, die in der Schweiz teilweise seit über 100 Jahren vor sich hinrotten. Auch eine Stärkung der Spitzenforschung über die ETHs wäre denkbar – es ist absurd, wenn die Politiker jetzt über Kürzung bei Forschungsbeiträgen diskutieren. Es geht nicht darum, mit dem geschenkten Geld irgendwelche Traumschlösser in der Schweiz zu bauen. Und es geht schon gar nicht darum, die Staatsquote zu erhöhen und das billige Geld in den Ausbau der Sozialstaates zu stecken.

Die Schweiz ist derzeit ein Schlaraffenland für Schuldner, und daran wird sich so schnell nichts ändern. Die öffentliche Hand sollte sich an den Privaten ein Beispiel nehmen. So günstige wir der Staat längst überfällige Sanierungen nie mehr finanzieren können.

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