Der Kommentar: Es gibt nur eine Lebenswelt für die Bewohner der Region Basel. Ob der Arbeitsplatz in diesem oder in jenem Kanton liegt, ist völlig einerlei. Es gibt nur ein Verständnis, wo Kultur stattfindet oder welcher Sportverein begeistert. Natürlich gibt es in dieser Einheit die Vielfalt: Die Befindlichkeiten unterscheiden sich, ob der Bewohner in einem städtischen Brennpunkt-Quartier lebt oder in einem reichen Villenquartier, in einer stadtnahen Agglo-Gemeinde oder in einem ländlichen Dorf. Sie variieren, ob er verwurzelt ist oder ein Zuzüger aus dem In- oder Ausland, ob sesshaft oder auf dem temporären Durchflug. Doch wo gibt es nicht diese Vielfalt in der Einheit? – So betrachtet, ist alles andere als eine Wiedervereinigung der beiden Basler Halbkantone sinnfrei.

Eine Kantons-Wieder-Fusion ist allerdings ein politisches Projekt. Und als solches korrespondiert es nur sehr bedingt mit der alltäglichen Lebenswelt. Wer die politische Diskussion und deren Inkarnation, das staatliche Verwaltungswesen, in Baselland und Basel-Stadt verfolgt, könnte vielmehr zum Eindruck kommen, nicht Kantonsgrenzen, sondern Kontinentalgrenzen würden die Halbkantone trennen.

Die Basler Wiedervereinigungsdebatte ähnelt damit der europäischen Integrationsdebatte – unter umgekehrten Vorzeichen: In Europa streben die Politiker nach einer gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzpolitik, nach gemeinsamen Institutionen. Für die Bewohner des europäischen Raums bleiben diese Bestrebungen abstrakte Vorgänge, die nichts mit ihrer Identität und Lebenswelt zu tun haben.

Nun soll niemand glauben, es sei einfacher, die Basler Kantone zusammenzubringen, als die europäische Integration voranzutreiben.

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