Der Kommentar: Durch den Zeitgeist hallt unüberhörbar ein Wort: Abgrenzung. Sei es durch die wieder erstarkten Nationalstaaten oder durch verbitterte Wahlkämpfe wie jenen in den USA. In den Debatten schwingt immer eine Haltung mit: «Wir gegen die», «sie gegen uns». Es ist nicht verwunderlich, dass die Abgrenzung nun unsere Schulen trifft.

Muslime in der Schweiz diskutieren über eine eigene Privatschule, weil Kinder aus religiösen Gründen nicht vom Schwimmunterricht dispensiert werden dürfen. Aus liberaler Sicht ist das völlig legitim. Schliesslich existieren bereits Privatschulen, auch für religiöse Minderheiten wie jene der jüdischen Gemeinschaft. Ein Fehler wären Privatschulen für Muslime trotzdem. Erstens hat die Volksschule ein Alleinstellungsmerkmal: Sie ist die letzte Zwangsgemeinschaft unserer Gesellschaft. Die kulturellen Diskrepanzen kristallisieren sich nirgends deutlicher als im Klassenzimmer, egal ob es um Kopftücher, den Händedruck oder den Schwimmunterricht geht. Hier klärt sich, für welche Werte unsere Gesellschaft stehen will.

Zweitens verfügt die Schule gerade durch ihren Zwangscharakter über eine Integrationskraft wie keine andere Institution. Während die Ausgaben der Sozialhilfe steigen und neue Massnahmen gefordert werden, gelingt den Schulen, was dem Arbeitsmarkt schwerfällt: eine natürliche Integration. Voraussetzung bleibt aber, dass die Klassen nicht auseinanderbrechen. Ganze Minderheiten in eine Parallelwelt ziehen zu lassen, ist also nicht die Lösung, sondern vielmehr Ursprung vieler Probleme.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.