Der Kommentar: «Lerne programmieren oder werde selber programmiert», lautet eine These des amerikanischen Medienforschers Douglas Rushkoff. Sie mag etwas allzu absolut formuliert sein, doch trifft sie den Kern der Sache gut. Wir leben in einer Welt, die ohne Computer längst nicht mehr funktionieren würde. In einer Welt, in der Algorithmen immer mächtiger werden; sie bestimmen darüber, was wir auf Facebook lesen, was wir auf Google finden – und sorgen bald auch dafür, dass Autos selbstständig fahren können.

Wer diese Mechanismen nicht versteht, droht von ihnen manipuliert zu werden. Und wer sie verstehen will, muss wissen, wie ein Computerprogramm funktioniert. Am besten geht das, wenn man selber eines schreiben kann. Deshalb sollten bereits Primarschüler erste Programmiererfahrungen machen. Es geht nicht darum, sie zum Informatikstudium zu motivieren, sondern um Grundlegenderes: In Zukunft wird wohl in fast allen Jobs «computerbasiertes Denken» gefragt sein. Biologen, Juristen, aber auch Journalisten werden ihre Aufgaben noch stärker in Zusammenarbeit mit Computern lösen. Wer kreativ und innovativ sein will – und das wird immer mehr gefordert sein –, dem reichen reine Anwenderkenntnisse wohl bald nicht mehr aus. Um das Beste aus den Programmen herauszuholen, muss man sie seinen Bedürfnissen anpassen können.

Viele Erwachsene können das heute nicht, weil sie es nie gelernt haben. Für die Eltern unter ihnen ergibt sich nun eine besonders spannende zweite Chance: Sie können zusammen mit ihren Kindern programmieren lernen. Das wird bestimmt mehr Spass machen als das einseitige Abfragen von Französischvokabeln.

Mehr Themen finden Sie in unserer gedruckten Ausgabe oder über E-Paper