Der Kommentar: Die «Schwarzgeld-Verwalter» geraten je länger, je mehr unter Druck. Unsere Parteien, der Bundesrat und auch das Parlament sind verunsichert, weil die Weissgeld-Strategie so neu und ungewohnt ist für die Schweiz. Jahrzehntelang hat man von reichen Leuten profitiert, die ihr Geld in der Schweiz anlegten – und somit am Fiskus ihres Landes vorbei. Dieses Vorgehen wurde durch die US-Amerikaner publik gemacht und die UBS konnte nur mithilfe des Bundes mit einem grossen blauen Auge davonkommen. Komischerweise haben die andern Schweizer Banker kaum etwas daraus gelernt und viele traten in die Fussstapfen der UBS und glaubten, sie könnten alles besser machen und den Amerikanern ein Schnippchen schlagen. Denn schliesslich existieren wir seit 1291 und unsere Banken leben die Freiheit mit Nummern-Konti auch schon ziemlich lange.

Diese Geltungssucht und die Besserwisserei haben nun schlimme Folgen. Die Bank Wegelin & Co. musste die Segel streichen und die Teilhaber dieser Gesellschaft stehen mit abgesägten Hosenbeinen da. Durch den Verkauf an die Raiffeisenbank und die Gründung der Notenstein-Bank wähnen sie sich aus dem Schneider, doch die USA bleiben wachsam. Der Erlös des Verkaufes kommt den Teilhabern zugute, und davon werden sie happige Bussen zu begleichen haben, wenn die Bank im kleineren Rahmen weiterexistieren soll.

In früheren Jahrhunderten lebte in fast jedem Dorf ein Müller und auch der Gutsverwalter Meier war weit verbreitet. Diese Namen haben sich überall im deutschsprachigen Raum verbreitet, anders der Name Wegelin. Etwa im fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung kamen die Alemannen aus dem Ostsee-Raum in südlichere Gefilde. Als sie dann vorerst mal im Raume Augsburg sesshaft wurden, reichten die Vornamen nicht mehr aus und neben den «Fugger» entstand auch bald das Geschlecht «Wegelin». Die Nachfahren der Letzteren wanderten weiter und im 11. Jahrhundert finden wir sie in Konstanz.

Conrad Vegellinus gilt als der Ahnherr, denn das Geschlecht verbreitete sich langsam im bayrischen Raum am Bodensee, in St. Gallen und auch in Diessenhofen TG. Die seinerzeitigen Bischöfe von Konstanz waren vor der Reformation nicht nur religiös tätig, sondern sorgten hie und da auch für ihre Untertanen, indem sie diesen Arbeit verschafften. Der damalige Raum von Konstanz bis nach Schaffhausen war noch ziemlich rückständig und die Bischöfe sorgten dafür, dass vor allem Handwerker aus dem Geschlecht Wegelin sich entlang des Untersees und des Rheins und auch im Allgäu und in der heutigen Ostschweiz niederliessen.

Unsere Linie, welche im Jahre 1312 durch Walter Wegelin von Konstanz über Tägerwilen TG nach Diessenhofen kam, wurde zum festen Bestandteil der Bevölkerung dieses Kyburger Städtchens und brachte viele Schultheissen, aber auch Handwerker wie Schuster, Müller und Nagelmacher hervor.

Die Diessenhofer Vorfahren unseres Geschlechtes können wir bis zum Ende des 17. Jahrhunderts belegen. In einem Auszug des Kirchen-Verzeichnisses findet man gar einen Johann Wegelin, von Beruf Schuster, der im Jahre 1795 im Alter von 62 Jahren eine viel jüngere Frau ehelichte. Neben diesem Eintrag steht in gestochen scharfer deutscher Schrift: «Man hiess ihn den feurigen Wurm»! Warum, das entzieht sich der Kenntnis des Chronisten.

Viele der Wegelin wanderten von Diessenhofen weg, vor allem nach Deutschland, Holland und
ins Elsass, später auch in die USA. In Deutschland fühlten sie sich wohl, denn sie wurden Ärzte, Kunstmaler und einer gründete in Berlin gar eine Porzellan-Manufaktur, welche gut hundert Jahre Bestand hatte. Eine andere Linie richtete sich nach St. Gallen, wo am 1. März 1741 die Bank Wegelin
& Co. gegründet wurde. Durch Fleiss, Anstand und reelles Geschäftsgebaren florierte die Bank bald – vor allem unter Emil Wegelin, der 1860 die Vermögensverwaltung einführte. Dann starben die Wegelin in St. Gallen aus und wurden durch «Teilhaber» abgelöst. Die Bank wurde sinnlos aufgebläht und das Resultat ist bekannt.

Ich schäme mich, weil ich als Diessenhofer auch mit diesen Machenschaften nicht das Geringste
zu tun habe.

Die externen Kolumnisten und Kommentatoren des «Sonntags» äussern in ihren Beiträgen ihre persönliche Meinung.

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