Antwort von Oswald Grübel: «Es ist richtig, dass alle Zentralbanken in den letzten vier Jahren durch tiefere Zinsen und höheren Geldumlauf versucht haben, die Wirtschaft wiederzubeleben. Das ist bis jetzt nur in geringem Masse oder gar nicht gelungen.

Um die Wirtschaft anzukurbeln, muss die Nachfrage nach Gütern gesteigert werden. Konsumenten verhalten sich zurzeit aber sehr vorsichtig, denn sie sind verunsichert, was ihre wirtschaftliche Zukunft betrifft. Die Medien berichten fast täglich über Arbeitsplatzverluste und Sparprogramme von Unternehmen. Die Weltwirtschaft wächst nur noch wenig, es ist keine Verbesserung in Sicht. Das hat eine starke Auswirkung auf die exportabhängige Schweizer Industrie.

Solange dieser Zustand anhält, wird der Konsum nicht steigen und es wird auch keine grosse Inflation geben. Inflation gibt es nur, wenn die Nachfrage grösser ist als das Angebot. Weiter inflationshemmend wirken wird die starke Automatisierung mittels neuer Technologien in vielen Bereichen der Güterherstellung, sei es in der Produktion oder der Lagerhaltung. Die Industrie ist heute in einer viel besseren Lage, Angebot und Nachfrage zu balancieren. Zudem nutzen wir dank der Globalisierung die tieferen Produktionskosten in vielen anderen Ländern, beispielsweise in China, durch «Outsourcing» von Herstellungsprozessen.

Inflation wird erst entstehen, wenn unsere Löhne wieder stärker steigen als unsere Produktivität oder eine starke Geldentwertung stattfindet. Diesen Vorgang können Sie beobachten und dann entsprechend handeln.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

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