Toni Brunner ist ein politisches Naturtalent. Sein halbes Leben lang, seit 20 Jahren, ist er Nationalrat. Sein Rucksack ist leichter als der von Spuhler, aber er führt die SVP mit Erfolg und wäre zweifellos ein populärer Bundesrat. «Aus ihm würde ein neuer Ruedi Minger», sagt Christoph Blocher über ihn. Aber Toni Brunner will nicht.

Die besten Pferde im SVP-Stall meiden das höchste Amt. Um dieses bewerben sich stattdessen ein langjähriger Staatsbeamter (Heinz Brand), ein Kleinmühlebesitzer (Hansjörg Knecht), ein Weinbauer (Guy Parmelin) sowie weitere Männer, die gewiss eine anständige Ochsentour hinter sich haben: Gemeinderat, Grossrat, Kommissionsmitglied, Nationalrat. Männer aber, die auch in der SVP niemanden vom Hocker reissen. Männer, die in einer Volkswahl (ein altes Anliegen der SVP) beispielsweise gegen eine Eveline Widmer-Schlumpf wohl keine Chance hätten.

Dass die Kandidaturen, soweit bis jetzt bekannt, eher schmalbrüstig sind, hat seine Logik. Die SVP ist eine rechte, staatskritische Partei. Sie will den Einfluss der Politik eindämmen, Regulierungen abbauen, den Staat zurückfahren (Ausnahme Landwirtschaft). Oft schwingt in der SVP-Rhetorik eine Verachtung für die staatlichen Institutionen mit; im Parlament etwa werde «Zeit verplempert», heisst es dann. Es liegt nahe, dass das Übernehmen von Verantwortung in einer Institution nicht das erstrebenswerteste Ziel im Leben eines SVPlers sein kann.

Bei den Linken ist das umgekehrt. Sie sehen das Heil im Staat. Karriere in der kapitalistischen Wirtschaft zu machen, ist für sie fast anstössig. Darum gehen die besten Linken in die Politik und marschieren durch die Institutionen. Man kann nicht behaupten, Alain Berset oder Simonetta Sommaruga seien schwache Persönlichkeiten. Es könnte mit diesem Phänomen zusammenhängen, dass in der bürgerlichen Schweiz, wo die SP nicht einmal auf 20 Prozent kommt, die Institutionen oft einen Links-Drall haben und der Staat wächst und wächst.

Möchte die SVP das ändern, reicht das Maximieren von Wähleranteilen nicht. Auch nicht das Durchsetzen von Volksinitiativen. Ist es ihr Ernst mit dem Übernehmen von Verantwortung, müsste die SVP ihre besten Pferde in die Institutionen schicken, um diese von innen zu verändern. Solange sie darauf verzichtet, braucht sich Mitte-Links nicht vor der 30-Prozent-Partei zu fürchten.

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