Der Kommentar: Wenn Angela Merkel in Bern eintrifft, werden ihr vier Bundesräte Spalier stehen: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, Didier Burkhalter, Johann Schneider-Ammann und Doris Leuthard. Das ist kein Wunder. Politisch betrachtet, fliegt mit Merkel die wohl mächtigste Frau der Welt in die Schweiz, hinter US-Präsident Barack Obama und Chinas Staatspräsident Xi Jinping vielleicht drittmächtigste Politikerin überhaupt. Von ihr erhofft sich die Schweiz Support in der verfahrenen Situation, in der sie sich mit der EU befindet. Deutschland ist mit Abstand wichtigster EU-Mitgliedsstaat.

Die Erwartungen sind hoch. Unrealistisch hoch vielleicht. Merkels Kürzestbesuch von 2008 in Bern trug Züge eines diplomatischen Eklats. Ihr Auftritt war «am unteren Ende der politischen Höflichkeit», wie sich Zeitzeugen erinnern. Sie spielte in Sachen Fluglärm die Bundesräte gegeneinander aus. Und sie wollte nur eines: möglichst schnell wieder weg. Seit 2008 haben sich die Probleme akzentuiert: mit der generellen Situation mit der EU, dem ungelösten Flughafen-Streit und dem Steuerstreit, der das Klima hinter den Kulissen vergiftet. Deutschland kaufte gestohlene Banken-CDs, die Schweiz führt vier Verfahren gegen deutsche Steuerfahnder. Deutschland wollte wissen, ob die Schweiz in Berlin Spione habe – und umgekehrt. Und Bern verdächtigt den deutschen Bundesnachrichtendienst (BND), Steuerfahnder gegen die Schweiz ausgebildet zu haben.

Eine Hoffnung aber ist berechtigt – jene mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE). 2014 hatte die Schweiz den OSZE-Vorsitz. 2016 wird ihn Deutschland von Serbien übernehmen. Berlin und Bern waren sich 2014 in der Ukraine-Krise näher gekommen. Es ist dieses Engagement, das nachwirkt. Gerade im Verhältnis zu Berlin.

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