Der Kommentar: Haben Sie bei der Debatte über die Masseneinwanderungsinitiative den Überblick verloren? Kein Grund zur Sorge, Sie sind damit nicht allein. Einigkeit gibt es derzeit nur in einem Punkt: Der «Inländervorrang light» zur Umsetzung des Volkswillens genügt nicht. Das «Volk» soll zurück an die Urne und noch einmal abstimmen. Doch worüber?

Je nach politischer Couleur soll die Stimmbevölkerung den SVP-Verfassungsartikel streichen (Rasa-Initiative), abschwächen (Bundesrat), die Umsetzungsfrist aufheben (Bundesrat) oder die Personenfreizügigkeit kündigen (Aktion für eine unabhängige Schweiz). Perfekt ist das Chaos, seitdem ein SP-Mitglied im Alleingang das Referendum gegen das vom Parlament beschlossene Ausführungsgesetz ergriffen hat. Realistischerweise können nur zwei der fünf Vorschläge kurzfristig Klarheit schaffen; die Rasa-Initiative und die angekündigte Auns-Initiative zur Kündigung der Personenfreizügigkeit. Beides sind radikale Lösungen mit ungewissem Ausgang.

Die Alternative lautet Abwarten. Sie klingt wenig spektakulär, könnte aber dazu führen, dass am Ende alle Seiten bekommen, was sie wollen: eine Beschränkung der Zuwanderung, aber nicht im Alleingang. Dazu passt die Prognose des Wirtschaftsprofessors Aymo Brunetti gestern in der «Basler Zeitung». Brunetti glaubt, die Personenfreizügigkeit der EU werde «in ihrer heutigen Form die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht überleben». Sein Vorschlag: Statt einen Alleingang mit schwer abschätzbaren Kollateralschäden zu wagen, sollte die Schweiz die Zuwanderungsdebatte auf Eis legen, bis die EU-Länder ihre eigene Politik angepasst haben; und dann entscheiden, ob ihr die Reformen genügen. Ein Weg, den es zu prüfen gilt.

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