der Schweizerischen Nationalbank (SNB) steigen dadurch auf 22 Milliarden Franken. SNB-Chef Philipp Hildebrand gerät zunehmend in die Kritik.

Der Kommentar: Der Vergleich ist echt kreativ. Die «Weltwoche» hält Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand für schlimmer als den gescheiterten UBS-Chef Marcel Ospel: Dieser habe im Jahresdurchschnitt «nur» 15 bis 17 Milliarden Franken Verlust produziert. Hildebrand schaffte in einem Jahr 21 Milliarden auf seinen Euro-Beständen.

Abgesehen davon, dass der Nationalbank-Verlust «nur» etwa 10 Milliarden Franken (schlimm genug!) betragen wird, weil sich die Goldreserven aufgewertet haben: Der Ospel-Vergleich ist grotesk. Die Nationalbank hat einen ganz anderen Auftrag als eine Geschäftsbank. Sie muss nicht Gewinne für die Aktionäre erwirtschaften, sondern «eine Geld- und Währungspolitik führen, die dem Gesamtinteresse des Landes dient». So steht es in der Bundesverfassung. Im Übrigen kann die Nationalbank auch bei weiteren Milliardenverlusten unmöglich in Konkurs gehen und muss nicht von den Steuerzahlern gerettet werden. Denn sie kann einfach neue Banknoten drucken. So schön hats ein Notenbank-Chef.

Die entscheidende Frage, die sich Hildebrand nach seinem ersten Amtsjahr stellen muss, ist doch die: Hat seine Geldpolitik dem Gesamtinteresse des Landes gedient? Gemessen an den Resultaten lautet die Antwort ja. Die Schweiz hat – trotz Frankenaufwertung – das stärkere Wirtschaftswachstum als die EU. Wir haben tiefe Zinsen, tiefe Inflation, tiefe Arbeitslosigkeit. Allerdings ist es für eine definitive Antwort zu früh: Die Geldpolitik wirkt sich verzögert aus. Hildebrands expansiver Kurs könnte sich später in Form von Inflation rächen – zumindest gemäss Lehrbuch-Theorie. Doch das muss nicht sein, wie das Praxis-Beispiel USA zeigt.

Ein Fazit kann man schon heute ziehen: Die Schweiz hat zwar eine eigene Währung, aber sie kann keine eigene wirkungsvolle Geldpolitik mehr betreiben. Der Kampf gegen den starken Franken erweist sich als Kampf gegen Windmühlen. Nirgendwo ist die Schweiz zurzeit so unsouverän wie in der Geldpolitik. Solange die Europäische Zentralbank ihre Zinsen derart tief belässt, kann die SNB die Zinsen nicht erhöhen, obwohl es konjunkturell angezeigt wäre – sonst würde der Franken noch stärker.

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