Der Kommentar: Singt im Zürcher Opernhaus im März ein Ex-Neo-Nazi? Vielleicht. Der Fall Evgeny Nikitin ist kompliziert. Nikitin sagte im Juli: «Ich habe mir die Tattoos in der Jugend stechen lassen, es war ein grosser Fehler und ich wünsche mir, dass ich es nie getan hätte.» Die Sache hätte damit bereinigt sein können: kurzer Wirbel, grosse Sühne.

Ob Nikitin wieder in Bayreuth singen würde, wussten die Festspielleitung allerdings vier Tage nach Nikitins Abreise nicht. Und damit begann das Nachspiel: Wie weiter mit Nikitin, wo würde er in Zukunft singen? In Bayreuth nicht, aber in New York und Zürich sehr wohl? Kaum wurde diese Diskussion ernst geführt, gab Nikitin auch noch sein «letztes Interview», in Zukunft will er nicht mehr mit Journalisten sprechen. Darin sagte er dem «Spiegel», er hätte gar nie ein Hakenkreuz auf seiner Brust gehabt: Das aktuelle achtsternige Symbol hätte aus dem Hakenkreuz heraus entstehen müssen. Eine Ausrede. Anstatt Asche auf sein Haupt zu streuen, ging er in eine Offensive und verwies auf die Band Kiss, die nationalsozialistischen Symbole brauchen würden. Immerhin sagte er nicht «ebenfalls», dafür aber: «Verglichen mit denen bin ich ein Waisenknabe.» Bis jetzt erhielt er keine Absagen, aber auch keine neuen Angebote.

Für Andreas Homoki, neuer Intendant in Zürich, ist allerdings klar, dass Nikitin in Zürich im März singt. Das Tattoo ist für ihn eine «Jugendspinnerei». Das kann sein, obwohl Nikitin mit der Tattoo-Aufbau-Geschichte dieser Theorie selbst widerspricht. Egal. Was aber, wenn ein Foto auftaucht, das ihn als 25-Jährigen mit Hakenkreuz zeigt? Dann wärs ein gar langer Prozess bis zum aktuellen Achteck, der für ihn ein kurzer Prozess werden könnte.

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