Hoffnung ist ein Wort, das es in dieser Katastrophe – laut UNO der schlimmsten seit dem Zweiten Weltkrieg – gar nicht gibt. Oder doch? Plötzlich kommt aus Port-au-Prince die Agenturmeldung, ein Kleinkind sei 68 Stunden nach dem Beben lebend aufgefunden worden. «Ausser ein paar Schürfwunden ist es unverletzt», heisst es in der Nachricht. Es gibt sie, die Hoffnung, die Wunder – selbst in dieser unermesslichen Tragödie. Sie hält die Überlebenden am Leben.

In der Ferne bleibt das Gefühl der Ohnmacht. Wohl können wir Geld spenden, was die Schweizer zum Glück sehr grosszügig tun, aber die Hilfe vor Ort läuft trotzdem schleppend. Gemäss der UNO stehen sehr viele Rettungskräfte und Hilfsgüter bereit, aber sie gelangen nur schwerlich ins Land, weil Flughafen und Häfen beschädigt sind.

Es ist ein menschlicher Reflex, bei solchen Ereignissen nach Schuldigen zu suchen. Aber diesmal finden wir keine. Wen auch? Die Staatengemeinschaft hilft, soweit sie kann – aber was will man machen, wenn vollbepackte Flugzeuge über Port-au-Prince kreisen, aber nicht landen können?

Auch der Schweiz waren anfänglich die Hände gebunden. Jetzt kündigt Aussenministerin Micheline Calmy-Rey Hilfe im grossen Stil an. Schweizer Spezialisten haben bereits ein Spital mit 600 Betten übernommen, in dem bald die medizinische Notversorgung startet.

Nach der Nothilfe wird das geschundene Land jahrelang Hilfe beim Aufbau brauchen. In einigen Monaten aber wird Haiti wieder aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit verschwunden sein. Dann wird sich zeigen, ob die Staatengemeinschaft wirklich solidarisch ist. Wir dürfen Haiti nicht vergessen.