Der Kommentar: Drei Tage noch. Und dann ist der bisher längste und teuerste US-Präsidentschaftswahlkampf Geschichte. Endlich, ist man versucht zu sagen. Denn die Kampagne um das Weisse Haus, die doch der Meinungsbildung der Wählerinnen und Wähler hätte dienen sollen, lässt viele enttäuschte Demokraten und Republikaner zurück.

Enttäuschend ist zum einen die Strategie, mit der Barack Obama in den Wahlkampf zog. Weil der Präsident sich bewusst war, dass der missliche Wirtschaftsgang sämtliche Erfolge seiner vierjährigen Amtszeit in den Schatten stellt, zog er los, seinen Gegner in den Dreck zu ziehen. Erst ganz am Schluss des Wahlkampfs gab er Einblick in sein Programm für die kommenden vier Jahre. Wer nach Lösungen für die drängenden Probleme des Landes sucht, wird in der Hochglanzbroschüre, die Obama verteilte, aber nicht fündig.

Enttäuschend ist zum andern aber auch die Darbietung von Mitt Romney. Der Republikaner versprach bei seiner Nomination zum Präsidentschaftskandidaten, dass er den Amerikanern reinen Wein einschenken werde. Die USA müssten sich umfassend reformieren, wollten sie nicht das Schicksal europäischer Wohlfahrtsstaaten wie Griechenland oder Spanien teilen, sagte er. Und er werde entsprechende Pläne präsentieren. Doch der ehemalige Firmensanierer löste dieses Versprechen nie ein. Stattdessen speiste er die Wähler mit Allgemeinplätzen ab.

Das amerikanische Volk hätte Besseres verdient: Politiker, die es ernst nehmen. Kein Wunder, freuen sich viele Amerikaner bereits auf das Ende des Wahlkampfs.

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