Der Kommentar: Niemand hätte vor einem halben Jahr erwartet, dass die Abstimmung über das Radio- und Fernsehgesetz zu einer Zitterpartie werden würde. Haushoch komme die Vorlage durch, vor allem, weil die Haushaltsgebühr von 450 auf rund 400 Franken sinke, hiess es überall. Dass es nun ganz eng werden dürfte, wirft darum Fragen auf.

Wer die Debatte der letzten Wochen verfolgt, wer Podien besucht und mit Bürgern diskutiert hat, dem wurde klar: Es geht bei dieser Abstimmung vielen nicht um die Gebühr per se, sondern um «die SRG», vielleicht sogar um «die Medien». Zum Ausdruck kam ein tiefes Unbehagen gegenüber der immer grösseren und mächtigeren SRG. Normalerweise haben die Bürger in Medienfragen nichts zu sagen; die letzte Abstimmung dazu liegt 30 Jahre zurück. Jetzt können sie es – und da entlädt sich etwas. Egal, ob es heute ein knappes Ja oder ein knappes Nein gibt: Die SRG wird auf längere Zeit im politischen Sturm stehen. Zumal 2017 die Konzession ausläuft. Die SRG kommt nicht umhin, sich selbst einzuschränken und den Service-public-Auftrag enger auszulegen. Tut sie es nicht von sich aus, wird die Politik sie wohl dazu zwingen.

Fehl am Platz ist Häme vonseiten der Presse gegen die SRG. Das Unbehagen weiter Teile der Bevölkerung betrifft genauso die privaten Medien. Die Leute sind misstrauischer geworden gegenüber angeblicher oder tatsächlicher Medienmacht. Im Zeitalter von Facebook und Twitter, wo jeder seine Meinung sagen kann, aber keiner wirklich gehört wird, kommt offenbar ein Gefühl des Ausgeliefertseins auf. In Deutschland sorgt gerade ein Buch mit der These für Furore, dass «eine kleine, aber deutungsmächtige Elite von Alphajournalisten» ein «Meinungsmonopol» durchsetze. «Lügenpresse» wurde zum Unwort des Jahres gewählt. Nicht nur die SRG, die ganze Medienbranche steht im Gegenwind.

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