Der Kommentar: Die dritte Säule ist eigentlich eine gute Sache. Banken und Versicherungen zahlen etwas mehr Zins als auf normalen Sparkonten, und der Staat belohnt die Vorsorge mit einem Steuerrabatt. Es lohnt sich, einzuzahlen. Für alle.

Doch die dritte Säule hat einen kleinen Schönheitsfehler. Einerseits belohnt sie über den Anreiz der Steuerabzüge jene, die eine hohe Steuerbelastung haben, weil sie viel verdienen. Alleinerziehende Eltern oder Teilzeitbeschäftigte mit tiefen Löhnen haben wenig vom Steuerabzug. Andererseits scheinen sich nur die Gutverdiener überhaupt eine Einzahlung aufs Vorsorgekonto leisten zu können. Anders als bei AHV und Pensionskasse gibt es keinen Arbeitgeberanteil, jeder sorgt alleine aus dem eigenen Portemonnaie vor. Gerade bei Geringverdienern ist da Ende Jahr nicht mehr viel Geld vorhanden.

Und so zahlen deutlich mehr Akademiker in die dritte Säule ein als einfache Büezer. Damit ist die 3. Säule ein Förderprogramm für Gutverdienende. Jene, die einen Zustupf im Alter am nötigsten hätten, profitieren nicht von den Steuerrabatten.

Das heisst nicht, dass der Anreiz zum privaten Sparen schlecht wäre – im Gegenteil. Aber man muss sich bewusst sein, dass die dritte Säule nur einen kleinen Teil der Altersvorsorge darstellen kann neben der AHV und der betrieblichen Vorsorge über die Pensionskasse. Dieses Gleichgewicht darf weder durch linke Forderungen nach einer reinen Volksrente à la AHV noch durch rechte Fantasien nach einer Altersvorsorge ganz ohne Staat aufs Spiel gesetzt werden. Dafür ist das heutige System mit seinen drei Säulen einfach zu gut.

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