Ogi hatte recht: Vor einem Vierteljahrhundert war es pionierhaft und visionär, gigantische Tunnels zu bohren. Wäre es das heute immer noch? Und hätte die Schweiz auch im Jahr 2016 die Kraft und den Mut, solche Projekt zu verwirklichen?

Die Welt hat sich verändert seit dem damaligen Volksentscheid. Das Internet, das Smartphone, kurz: die digitale Revolution sind dazwischengekommen. Tunnels zu bauen, mag immer noch höchst anspruchsvoll sein – doch pionierhaft oder visionär würde das kaum noch jemand nennen. Die Pioniere von heute sind Softwareentwickler, Forscher, Start-up-Gründer, Geistesarbeiter. Die Visionen von morgen bestehen aus Bits und Bytes, nicht aus Beton.

Die Schweiz als kleine, liberale, global vernetzte Volkswirtschaft mit sehr gut ausgebildeten Menschen verfügt über die Voraussetzungen, um auch im neuen Zeitalter Pioniertaten zu vollbringen. Die Rolle der Politik wird dabei aber eine ganz andere sein: Sie wird nicht mehr als Bauherrin auftreten, sondern als Ermöglicherin von bahnbrechenden Ideen. Allen ist beispielsweise klar, dass selbstfahrende Autos die Zukunft der Mobilität sind. Warum gibt sich die Schweiz nicht die Vision: Wir sind das erste Land, das die rechtlichen Voraussetzungen dafür schafft, dass solche Autos auf den Strassen verkehren dürfen? Warum versuchen wir nicht, die Probleme im Agglomerationsverkehr mithilfe von Online-Fahrdiensten wie Uber anzugehen?

Die 15 Neat-Milliarden, die das Volk 1992 bewilligt hat, wurden als Projekt zur wirtschaftlichen Prosperität verkauft. Wovon aber hängt unser künftiger Wohlstand ab? Womöglich stärker von Datenautobahnen als von Strassen und Schienen. Gefragt sind Visionen, wie unser Land von der vierten industriellen Revolution profitiert. Diese wird ganze Branchen und Berufe zum Verschwinden bringen, birgt aber auch riesige Chancen. Bildung, Forschung und Kreativität werden wichtiger.

Wo ist der Ogi der Gegenwart, der über die nächsten 30 Jahre hinausdenkt?

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