Der Kommentar: Er habe «eins auf den Deckel bekommen», sagte Raiffeisen-Chef Vincenz, nachdem er mit den Vorschlägen zum Informationsaustausch ein Tabu gebrochen hatte. Die Bankiervereinigung und bürgerliche Politiker zeigten kein Verständnis für Vincenz’ Aussagen, und die NZZ bezeichnete diese gestern als «unausgegoren»: Sie seien «nicht im Interesse des Finanzplatzes Schweiz».

Das hatten wir doch schon mal! 2004 veröffentlichte Hans J. Bär, der vor einem Jahr verstorbene Zürcher Privatbankier, seine Memoiren. Darin steht der berühmt gewordene Satz: «Das Bankgeheimnis macht uns fett, aber impotent.» Bär stellte als Erster seiner Branche das Bankgeheimnis infrage und schrieb, der Unterschied zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug sei nicht vermittelbar. Bär wurde darauf, wie jetzt Vincenz, ins Abseits gestellt: Seine Aussagen würden «dem Finanzplatz Schweiz schaden», kritisierten bürgerliche Politiker, und der damalige Finanzminister Hans-Rudolf Merz sagte: «Herr Bär ist relativ einsam.»

Bär hat recht bekommen, der Unterschied Hinterziehung/Betrug ist gefallen. Auch Vincenz wird recht erhalten. Die EU-Länder werden von der Schweiz das kriegen, was diese den Amerikanern bereits gewährt hat. Aber Politik und Bankenlobby sind gerade daran, den gleichen Fehler zu machen wie vor acht Jahren. Statt in die Offensive zu gehen und aus eigener Kraft mit der EU eine Lösung auszuhandeln, schlagen sie erst den Überbringer der Nachricht – um später auf äusseren Druck einzuknicken. So wird die Schweiz die Getriebene bleiben. Das ist nicht im Interesse des Finanzplatzes.

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