Der Kommentar: Kaspar Villiger gibt vor, zum Wohl der Bank nur noch vorwärts zu blicken. Indem er die Vergangenheit ausblendet, gerät der ehemalige Bundesrat ins Fahrwasser seiner Vorgänger: Sie rückten mit der Wahrheit nur widerwillig und bröckchenweise heraus. Noch sind die Fehler nicht aufgearbeitet. Villiger behauptet das zwar; die UBS habe zehn Untersuchungen machen lassen. Die Bank hält diese Papiere unter Verschluss. Doch wo es um Pflichtverletzung und persönliche Verantwortung geht, kann man die Schuldfrage nur beantworten, wenn man die Details kennt.

Solche Details sind etwa die Sitzungen des «Executive Board UBS Schweiz» im Januar und Mai 2002, in dem neben Marcel Rohner auch Eugen Haltiner sass, der heutige Präsident der Finanzmarktaufsicht Finma. Damals diskutierten sie das Problem, dass sich das Offshore-Banking aus der Schweiz heraus in den USA nicht mehr betreiben liess, ohne die neuen US-Regeln zu verletzen. Die interne Revision der UBS bemängelte damals, dass klare Regeln innerhalb der UBS fehlten. Die Mängel wurden nicht behoben, wie wir heute wissen.

Weitere Details finden sich in einem 161-seitigen Bericht der Eidgenössischen Bankenkommission vom 17. Dezember 2008. Auch diesen darf die Öffentlichkeit aber nicht einsehen. Nach diesem Bericht sprach Finma-Präsident Haltiner seine ehemaligen UBS-Kollegen von jeder Schuld frei. Die Herren tragen die Gesamtverantwortung für die Bank – aber sie müssen für fehlende Kontrollen nicht geradestehen.

Kaspar Villiger darf den Verdacht der Kumpanei nicht stehen lassen. Die Schweizer sind verletzt ob der Unverfrorenheit der UBS-Chefs, die sich Millionen zuschanzten und den Staat mit Milliarden belasteten. Wenn Villiger schon nicht selber auf Schadenersatz klagen will, muss er klagewilligen Aktionären bei der Beschaffung von Informationen helfen oder einen unabhängigen Experten einsetzen, der die Unterlagen nochmals sichtet. Eine Hilfe wärs, wenn der Staatsanwaltschaft den Mut aufbrächte, ein Verfahren zu eröffnen, um Klarheit zu verschaffen. Ein erster Schritt ist getan: Jetzt läuft immerhin eine Voruntersuchung.