Der Kommentar: Was dem einen vertrautes Traditionsgut sein mag, ist für den anderen akustischer Terror: das nächtliche Gebimmel. Um Viertel nach einmal, um halb zweimal, um Viertel vor dreimal, zur vollen Stunde viermal, dazu der Stundenschlag. Kirchenglocken kennen vielerorts keine Nachtruhe.

Einen kirchlichen Hintergrund hat der Schlag zur Stunde und zur Viertelstunde nicht. Dieses Geläut ruft weder zum Gebet noch zu einer Hochzeit auf. Sondern stammt aus der Zeit des Mittelalters, als der Grossteil der Bevölkerung keine Uhr hatte und vom Schlag des Kirchturms abhängig war. Allerdings besitzen heute alle entweder eine Uhr, ein Handy oder einen Wecker, um die Zeit abzulesen. Wer braucht da noch den Klang der Turmuhr?

Die Liste der Streite rund um den nächtlichen Glockenschlag wird lang und länger. Es fragt sich: Was ist wertvoller, Nachtruhe oder Tradition?

Generell braucht es nicht mehr Regeln im Umgang mit Lärm, sondern eher Toleranz. Spielende Kinder, krähende Gockel, sommerliche Gartenfeste oder auch Kuhglocken mittels Rechtsstreit verbieten zu wollen, ist der falsche Weg.

In der aufgeheizten Diskussion ums Kirchengeläut ist ein gutschweizerischer Kompromiss zielführend. Gewisse Gemeinden haben sich bereits geeinigt. Dort schlägt es nur zur vollen Stunde, auf das viertelstündliche Dingdong wird verzichtet. So wird die Tradition gewahrt, und die Anwohner können besser schlafen.

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