Der Kommentar: Kritik am Bankgeheimnis war in der Schweiz bis vor kurzem gewissermassen Landesverrat. Dabei geht und ging es gar nicht um das Bankkundengeheimnis (das wird es immer geben), sondern um das Steuerhinterziehungsgeheimnis. Also um das Geschäftsmodell, das sich ein guter Teil des Finanzplatzes zunutze machte, um vor allem reichen Ausländern Gelegenheit zu verschaffen, ihren Staat zu betrügen. Das war eine Winwin-Situation für die Beteiligten, die das Geld, welches eigentlich der Allgemeinheit zustand, unter sich aufteilten.

1962 tadelte die Bankiervereinigung den Bundesrat, weil er Anstalten machte, Steuerhinterziehung wirksam zu bekämpfen. Schon der Anlauf dazu musste um jeden Preis verhindert werden. Denn die Banker wussten nur zu genau, dass die Bevölkerung das Steuerhinterziehungsgeheimnis gar nie gewollt hat. Der Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer zahlt brav seine Steuern, weil er weiss: Das ist eine Bürgerpflicht, ohne die ein Land nicht gedeihen kann.

Unter Druck des Auslands, wegen endloser Schwarzgeldskandale und immensen Imageschadens machten die Banker kehrt; sie drängen nun auf Steuerehrlichkeit. Uli Hoeness ist insofern zu danken. Seine undurchsichtige Steueraffäre beschleunigt den Läuterungsprozess.

Der ehrliche Durchschnittsbürger kann sich freuen. Den automatischen Informationsaustausch braucht er nicht zu fürchten, denn die Steuerbehörden haben schon heute seine Daten, etwa den Lohnausweis. Er wird sogar entlastet: Weil die heutigen Steuervermeider künftig mehr abliefern müssen. Und das ist nur gerecht.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper