Der Kommentar: Das Klischee will es, dass eine «October Surprise» – eine überraschende Enthüllung kurz vor dem Urnengang – eine neue Dynamik in das Rennen um das Weisse Haus bringen kann. Dafür gibt es historische Beispiele. Meistens dienen «Oktober-Überraschungen» aber nur der Unterhaltung der Journalistenschar.

Das neuste Kapitel in der Saga um die privaten E-Mail-Server der Demokratin Hillary Clinton lässt sich derzeit noch nicht einordnen. Denn nicht einmal das FBI scheint zu wissen, welche Informationen sich in den aufgetauchten E-Mails befinden – und in welchem Zusammenhang sie mit Clinton stehen. Aber es gibt Hinweise darauf, dass es FBI-Direktor James Comey mit seiner Intervention vor allem darum ging, seine Reputation zu bewahren.

Dennoch ist der Skandal um die Frage, ob Aussenministerin Clinton das Dienstgeheimnis verletzte, nun wieder das wichtigste Gesprächsthema in Washington. Aufgrund der intensiven Berichterstattung wird sich dies auch auf den Wahlkampf auswirken. Gut möglich, dass der Vorsprung der Demokratin schmelzen wird. Drei Vorbehalte: Erstens haben bereits mehr als 20 Millionen Amerikaner gewählt – rund ein Siebtel aller Stimmen. Zweitens ist der Skandal um Clintons E-Mails seit Monaten ein Thema, mit dem sich die meisten Wähler bereits beschäftigt haben. Und drittens hat Kontrahent Donald Trump schon mehrere elektorale Steilpässe vergeigt.

Deshalb werden wir wohl erst am Abend des 8. November wissen, ob es sich bei der jüngsten «Überraschung» um eine echte «October Surprise» handelte.

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