Der Kommentar: Noch ist nicht klar, ob Mohamed Salah und Mohamed Elneny am Montagmorgen mit ihren Teamkollegen ins Flugzeug nach Tel Aviv steigen werden. Allein schon diese Ungewissheit löst sowohl in Ägypten als auch in Israel und der Schweiz eine heftige Debatte aus.

Dabei wird einmal mehr offensichtlich, wie Medien, Politiker, Nationalisten oder Dummköpfe den Sport für politische Propaganda missbrauchen. Und die erst 21-jährigen Ägypter müssen konstatieren, wie auf ihren schmalen Rücken tonnenweise Mist abgeladen wird. Dabei wollen sie nur spielen. Fussball spielen. Doch zurzeit kommen sie sich vor wie Boxsäcke, die man von allen Seiten traktiert.

Ein Boykott des Spiels durch die beiden ägyptischen FCB-Spieler wäre ein Affront, heisst es aus Israel. Schliesslich sei der Sport dazu da, «Völker zu verbinden». Ägyptische Medien hingegen erfinden Aussagen der beiden, «nicht beim zionistischen Feind antreten zu wollen», was viel Druck erzeugt.

Dabei wird den beiden Spielern weder die eine noch die andere Seite beistehen, wenn diese a) nach einem Auftritt in Tel Aviv das nächste Mal in ihre ägyptische Heimat reisen oder b) nicht nach Tel Aviv reisen und deswegen als «Friedensverhinderer» deklariert werden. Solange man aus einer so kleinen eine derart grosse Geschichte macht, ist es schwer vorstellbar, dass jemals ein politischer Konsens gefunden wird. Deshalb ist etwas mehr Respekt und Gelassenheit in dieser Sache angebracht.

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