Wunderliches geschieht auch im Gespräch, das ich mit Bundespräsidentin Doris Leuthard während ihres Staatsbesuchs in Indonesien führe. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, zu fragen, ob sie 2011 zur Wiederwahl antrete, weil das doch selbstverständlich scheint. Vielmehr frage ich sie nach einem Departementswechsel. Doch ihre Antwort lässt aufhorchen: «Wenn ich weitermache», beginnt Leuthard, «stellt sich irgendwann die Frage nach einem Departementswechsel.» Was heisst «wenn ich weitermache»? Leuthard: Es gehe eben auch darum, ob sie das Amt «mit Freude erfüllt». Das sei «nicht immer» der Fall.

Hoppla. Bleibt Hans-Rudolf Merz länger im Amt als erwartet? Und tritt Doris Leuthard 2011 zurück? Nichts scheint sicher im Bundesrat. Trotzdem: Das erste wie das zweite Szenario bleibt unwahrscheinlich. Aber dass sie jetzt zum Thema werden, spricht Bände.

Fulvio Pellis Merz-Manöver zeigt, wie ungemütlich die Lage der FDP ist. Jeder weiss, dass Merz bei den Nationalratswahlen 2011 für die Partei ein Bremsklotz ist. Da ist es höchst delikat, wenn der Parteichef «nach Prüfung aller Optionen» zum Schluss kommt, ein Verharren von Merz sei das Beste – weil dies die Stabilität der Regierung sichere.

Doris Leuthards Vorbehalt gegenüber einer Wiederkandidatur zeigt, wie belastend es ist, als Präsidentin ein Gremium zu führen, das heute nicht führbar ist. Leuthard, nebst Didier Burkhalter die einzige wirkliche Kollegialpolitikerin im Bundesrat, wird sich sagen: «Muss ich mir das um jeden Preis antun?»

Der Bundesrat braucht mehr Leuthard und weniger Merz. Diese Erkenntnis wird mit jedem Tag offensichtlicher und wird hoffentlich eine Kraft entwickeln, die Merz und Leuthard zu den richtigen Entscheidungen leitet.