Der Kommentar: Für schwere Körperverletzung will der Bundesrat härtere Sanktionen. Die Mindeststrafe soll deutlich erhöht werden. Damit soll sichergestellt werden, dass die Täter hinter Gitter kommen – und zwar ausnahmslos. Die jetzt eingeleitete Revision des Strafrechts will generell die Schraube bei Delikten anziehen, bei denen die Opfer massiv leiden. Oft ein Leben lang. Das ist die richtige Stossrichtung.

Umso befremdlicher aber, dass die schweren Sexualdelikte offenbar nicht dazugehören sollen. Der Bundesrat weigert sich, bei Vergewaltigungen die heute geltende Minimalstrafe von einem Jahr zu erhöhen. Das hat Folgen. Denn zwingend weggesperrt wird ein Täter erst bei einer Strafe ab drei Jahren. Geht es nach dem Willen des Bundesrats, kommen also auch künftig nicht alle Vergewaltiger ins Gefängnis.

Die Begründung des Bundesrats muss in den Ohren von Vergewaltigungsopfern wie blanker Hohn klingen: Wenn alle Täter zwingend zu einer Freiheitsstrafe verurteilt würden, schränke das den Spielraum der Richter «unangemessen» ein. Da stellt sich die Frage: Warum gilt eine schwere Körperverletzung als so gravierend, dass eine Haftstrafe keine Ermessensfrage der Richter, sondern zwingend ist – eine Vergewaltigung aber nicht? Auch Vergewaltigungsopfer leiden massiv unter den Folgen der Tat. Oft ein Leben lang.

Richtig ist, dass die Spannbreite der Schwere bei einigen Sexualdelikten gross ist – Vergewaltigungen aber gehören nicht dazu. Hier braucht es ein klares Signal, dass es sich um kein Kavaliersdelikt handelt. Dass die sexuelle Gewalt gestiegen ist, zeigt, dass dieses Bewusstsein längst nicht überall vorhanden ist. Jetzt müssen die Mindeststrafen heraufgesetzt oder – um den Richtern einen Ermessensspielraum zu lassen – kurze unbedingte Freiheitsstrafen eingeführt werden. Vergewaltiger gehören hinter Gitter. Und zwar ausnahmslos.