Zuerst brachte es Russlands Präsident Putin mit seinen Machtgelüsten fertig, dass sich Europa und die USA wieder näher kamen. Und dann auch die Krieger des «Islamischen Staates», nach deren Gräueltaten an den Jesiden und Christen die US-Armee im Nordirak eingriff. Europa ist froh darum, Frankreich und Deutschland liefern nun Waffen an die Gegner der IS.

Die Gegner der IS – das sind die Kurden. Das waren bis vor kurzem keine Freunde des Westens. Jetzt schon. Europäer und Amerikaner bewaffnen sie, weil sie nur den Kurden zutrauen, im Nordirak den Vormarsch der IS-Terroristen stoppen zu können.

Gut und böse: Diese Muster zeigt sich auch in der Schweizer EU-Debatte. Bis vor wenigen Jahren galt die EU als gut. Wir wollten zwar nicht beitreten. Aber wir wussten um die wirtschaftliche Bedeutung und suchten einen pragmatischen Umgang mit Brüssel. In den letzten Jahren vergiftete sich die Debatte, die EU ist hierzulande zum Schimpfwort geworden. Der Schweizer Chefdiplomat Yves Rossier sagte in der «NZZ»: «Es klingt manchmal, als sei die Schweiz von lauter Feinden umzingelt, die nur das Ziel hätten, die Schweiz kaputtzumachen.»

Als gut galt seit dem EWR-Nein von 1992 der bilaterale Weg der Schweiz. Heute nennt Christoph Blocher, der die Schweiz auf diesen Weg brachte, den Bilateralismus eine «Luftblase».

Gewissheiten verfliessen. Das Ozonloch, die grosse Gefahr für die Menschheit! Es schliesst sich gerade und wird verschwinden. Heisst das also, dass die Panik der 90er-Jahre falsch war? Vielleicht übertrieben, aber sie führte zu den Massnahmen, die jetzt das Problem lösen. Ja, die Welt ist kompliziert geworden.

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