Der Kommentar: Ferien sind schön – auch für Väter. Dennoch wäre ein staatlich verorteter Vaterschaftsurlaub verfehlt. Klar, Väter sollen vom ersten Tag an eine Bindung zum Neugeborenen aufbauen, mithelfen, Windeln wechseln, für das neue Leben da sein. Heutzutage ist das für junge Väter selbstverständlich. Und gerade deshalb braucht es keinen Vaterschaftsurlaub. Was bringt es, wenn der Vater sich die ersten paar Wochen voll auf das Kind konzentrieren kann und sich danach wieder voll in die Arbeit stürzt?

Vater sein ist kein Ferienjob. Vatersein ist eine Lebensaufgabe. Ein obligatorischer Vaterschaftsurlaub vermittelt ein falsches Verständnis der Vaterrolle. Die ersten Wochen mögen für einen guten Start der jungen Familie wichtig sein. Ob er besser verläuft, wenn der Vater stets da ist, sei dahingestellt. Vor allem aber sind die Wochen danach genauso wichtig – und die Eltern dabei nicht weniger gefordert.

Was wir brauchen, ist nicht ein bezahlter Urlaub während der ersten paar Wochen nach der Geburt, sondern gesellschaftliche Strukturen, die es ermöglichen, als Vater präsent zu sein und dennoch Karriere zu machen. Konkret heisst das: Flexible Arbeitszeiten, Verständnis dafür, dass ein Vater frühzeitig das Büro verlässt und halt am Abend zu Hause weiterarbeitet. Und es braucht die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit.

Wenn wir es uns leisten wollen, den Vätern mehr frei zu geben, dann sollten diese Freitage gleichmässig über die ersten Lebensjahre der Kinder verteilt werden. Das wäre eine zeitgemässe Interpretation von Vaterschaftsurlaub.

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