Und jetzt? Der Schulterschluss hat den Elchtest nicht bestanden. In der eben zu Ende gegangenen Parlamentssession wurde allen vor Augen geführt, wie uneinig sich SVP, FDP und CVP in zentralen Fragen sind. In der letzten Sessionswoche versenkte die SVP in einer unheiligen Allianz mit den Linken die Armeereform, und zwei FDP-Vertreter sowie die halbe CVP verhalfen dem indirekten Gegenvorschlag zur «grünen Wirtschaft» zum Durchbruch, einem Projekt, das der Absicht des Schulterschlusses widerspricht. Unversöhnliche Positionen haben die drei bürgerlichen Parteien in zentralen wirtschaftspolitischen Fragen, etwa bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, der Zukunft der Bilateralen und in der Energiepolitik.

Als erster der drei Parteipräsidenten erklärt jetzt Toni Brunner den Schulterschluss zur «Makulatur». Was nun passieren wird, ist absehbar: Jede Partei wird die anderen bezichtigen, schuld am Bruch der Allianz zu sein. Nur bei sich selbst wird keine die Ursache sehen. Dabei waren die inhaltlichen Differenzen schon vorher allen klar. Doch jede Partei fragt sich am Ende, ob sie bei den Wahlen im Oktober von Listenverbindungen profitiert oder nicht. Am stärksten hätten diese gemäss Berechnungen der SVP genutzt. Daran haben CVP und FDP kein Interesse. Das zeigt: Es geht hier nicht primär um die «Stärkung des Standorts». Sondern um Stimmen.

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