Der Kommentar: Es ist nichts Neues, dass Herren grosser Konzerne mit dem Auszug aus der Schweiz drohen. Novartis-Kapitän Daniel Vasella hat wiederholt angekündigt, seinen Pharmakonzern ins Ausland zu versetzen, sollten Parallelimporte von Medikamenten dereinst zugelassen werden. Und der Nestlé-Präsident Peter Brabeck liess kürzlich die Öffentlichkeit wissen, der Nahrungsmittelmulti würde der Schweiz den Rücken kehren, sollte die Abzocker-Initiative angenommen werden. Schön sind solche Drohungen nicht. Aber sie gehören zum politischen Spiel und werden dann auch nicht immer befolgt.



Wie ein geschmackloser Witz hingegen klingt die Drohung von
UBS-Chef Oswald Grübel, mit der Grossbank die Schweiz zu verlassen, sollten Staat und Aufsichtsbehörden zu starke Auflagen machen. Das ist eine Ohrfeige für die Schweiz, die in den vergangenen Monaten der UBS gleich mehrmals zu Hilfe eilen musste. Für die UBS haben Politik, Nationalbank und juristische Instanzen sämtliche Regeln über den Haufen geworfen. Erst musste die Grossbank vor dem Kollaps gerettet werden – mit 6 Milliarden aus der Bundeskasse und einer Garantie der Nationalbank von bis zu 60 Milliarden für die Ramschpapiere. Dann schickte die Schweiz Kundendaten in die USA, ohne dass die Betroffenen den Rechtsweg ausschöpfen konnten. Und zuletzt musste die Schweiz endgültig ihr Bankgeheimnis preisgeben. Zu gravierend waren die Vergehen der UBS in den USA.

Gelitten hat ob all dem nicht nur der Ruf des Schweizer Finanzplatzes, sondern der Schweiz ganz allgemein.

Ausgerechnet diese Bank, die es ohne Staatshilfe wohl nicht mehr geben würde und deren Kollaps der gesamten Volkswirtschaft einen kaum vorstellbaren Schaden zugefügt hätte, wehrt sich nun gegen die Regeln, die verhindern sollen, dass Unternehmen künftig wieder mit Staatskrücken über die Runden gebracht werden müssen. Wenn es heute eine Expertengruppe «too big to fail» gibt, dann ist dies die Schuld der UBS. Es müsste eigentlich selbstverständlich sein, dass sich die Grossbank und ihr Chef dessen bewusst sind. Sonst muss man leider feststellen: Grübel und seine Bank haben überhaupt nichts gelernt.