Der Kommentar: Die Schweiz wächst, die Schwelle von 8 Millionen Einwohnern ist überschritten, bereits ist von der 10-Millionen-Schweiz die Rede. Das allein ist aber nicht der Grund für die prognostizierte Zunahme der Reisenden und Passanten an den Bahnhöfen: Es gibt mehr Einwohner – aber auch ein wachsendes Mobilitätsbedürfnis. Dieser doppelte Effekt führt auf den Strassen regelmässig zum Kollaps. Soll die Verkehrszunahme nicht noch mehr auf den überfüllten Strassen stattfinden, bleibt nur der öffentliche Schienenverkehr.

Das gilt selbst für den Fall, dass das Bevölkerungswachstum gebremst wird. Denn unser Verhalten ändert sich: Arbeitsplätze werden verlagert, die Schweizer werden mobiler. Heute ist es normal, von Basel nach Zürich in den Ausgang zu gehen. Früher war das ein Tagesausflug. Die Schweizer sind längst «unterwegs zu Hause», wie in der SBB-Werbung.

Ein Teil dieses Verkehrs ist von den SBB jedoch hausgemacht. Indem sie aus den grossen Bahnhöfen Shopping Center machen, locken sie zusätzliches Publikum in die Hallen, die zu den Stosszeiten schon heute überfüllt sind. Das erklärt auch, warum die Zahl der Menschen in den Bahnhöfen stärker zunimmt als die Zahl der Passagiere in den Zügen.

Wenn die SBB aus ihren Bahnhöfen Goldgruben machen wollen, müssen sie konsequent sein: Es braucht dazu die nötigen Kapazitäten und entsprechende Architektur. Das ist heute vielerorts nicht der Fall. Nichts gegen die rentable Bewirtschaftung der SBB-Liegenschaften. Aber am Ende ist ein Bahnhof immer noch dazu da, ein Bahnhof zu sein.

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