Die Abzocker-Initiative, welche die unternehmerische Freiheit auf Verfassungsebene einschränkt, wird wohl hochkant angenommen. Weitere populäre Begehren wie die 1:12-Lohninitiative stehen vor der Tür – oder die Masseneinwanderungs-Initiative, die den freien Personenverkehr infrage stellt. Eben wurde die Erbschaftsinitiative eingereicht: Der Fiskus soll beim Tod von Vermögenden zugreifen.

Die Staatsglaube, einst nur auf der Linken verbreitet, ist längst auch in der Mitte und ganz rechts zu finden. Nicht ohne Grund: Die staatlichen Eingriffe sind meist Reaktionen auf Exzesse an Finanzmärkten, bei den Boni und bei der Einwanderung.

Die einzelnen Massnahmen für sich wären kein Problem, in der Summe aber sind sie es sehr wohl. Denn es kann nicht sein, dass wir Verantwortung auf allen möglichen Gebieten an den Staat delegieren und sie nicht mehr selber übernehmen.

Der Abstimmungskampf zur Abzocker-Initiative hat exemplarisch gezeigt, wo das Problem liegt: Es gibt kaum noch glaubwürdige Kämpfer für den Markt. Ihre prominentesten Vertreter sind beschädigt. Economiesuisse vermied es tunlichst, sie in die Abstimmungsarena zu schicken. Denn die kleinen und grossen Vasellas sind die besten Werbeträger für die Abzocker-Initiative.

Es sind nicht bloss «Einzelfälle», welche die Glaubwürdigkeit der Marktvertreter unterminieren. Das Problem liegt tiefer. Seit den 90er-Jahren haben sich die Unternehmer nach und nach aus der Politik zurückgezogen. Mit SVP-Nationalrat und Bahnbauer Peter Spuhler verliess vor kurzem eines der letzten Unternehmer-Schwergewichte das Parlament. Politik und Wirtschaft, in der Schweiz historisch eng verbunden, leben sich auseinander. Wenn es noch ein Bindeglied gibt, sind es Verbandsvertreter und fragwürdige Lobbyisten.

Das kann langfristig nicht gut gehen. Die Schweiz hat es als freiheitliches Land auf einem hochregulierten Kontinent zu Wohlstand gebracht. Wenn sich Topmanager und Unternehmer aus ihrer politischen Verantwortung stehlen, können ihre Verbandsvertreter nicht glaubwürdig für eine Rechtsordnung einstehen, die eben gerade darauf beruht: dass der Einzelne und nicht der Staat Verantwortung übernimmt.

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