Der Kommentar: Es war beinahe Mitternacht, als im Pariser TV-Studio die Lichter erloschen. Nicolas Sarkozy und François Hollande hatten sich eine Redeschlacht geliefert, die drei Stunden dauerte. Rund 18 Millionen Franzosen waren zugeschaltet; sie wurden Zeugen eines Duells auf allerhöchstem Niveau. In der Tat: Was die beiden Präsidentschaftsanwärter an rhetorischer Brillanz und intellektuellem Scharfsinn, an Schlagfertigkeit und Bissfreude zeigten, war Information und Unterhaltung zugleich. Hier der Herausforderer Hollande, der von Beginn an die Attacke suchte und den Angriff wagte. Dort der Wiederwahlkandidat Sarkozy, der bald einmal mit dem Rücken zur Wand stand, dabei aber immer wieder mit stupender Dossierkenntnis punkten konnte.

Ich habe selten eine dermassen animierte TV-Debatte erlebt mit zwei Protagonisten, die sich über 150 Minuten nichts schenkten, nie ein Blatt vor den Mund nahmen und es schafften, über die ganze Zeit hoch konzentriert zu bleiben.

Unweigerlich überlegt man sich als Schweizer bei solcher Gelegenheit, welche Politiker in diesem Land über eine ähnliche Souveränität, Sachkenntnis und Sprachkompetenz verfügen. Und es will einem partout niemand in den Sinn kommen. Wer würde sich die Tortur antun, über zwei Stunden ein Duell zwischen Adrian Amstutz und Andy Tschümperlin zu verfolgen? Oder zwischen Gabi Huber und Gerhard Pfister? Oder zwischen wem auch immer?

Die Franzosen haben alle fünf Jahre ihr grosses Wahl-Duell. Wir haben Woche für Woche die kleine «Arena». Das hat schon seine Richtigkeit.

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