Es gelingt der jungen Generation offensichtlich, die ältere Generation zu provozieren – ein absolut normaler Vorgang, den schon Caesar und Cicero beschrieben haben. Mit einem kleinen Unterschied: Im Jahr 2014 ist diese Provokation, anders als im Altertum oder in den 1960er- oder 1980er-Jahren, nicht beabsichtigt. Rebellentum liegt den Jugendlichen fern. Dass ihre Einstellungen und ihr Verhalten provozieren, ist ein Nebeneffekt, den sie wohl lieber vermeiden würden.

Es ist Zufall, dass das Jugendbarometer in jener Woche publik wird, in der eine Gruppe von jungen Akademikern für Schlagzeilen sorgte: Die «Operation Libero» trat an die Öffentlichkeit, aufgerüttelt vom Ja zur Masseneinwanderungsinitiative. Sie will die Schweiz öffnen und verhindern, dass sie zum «Freilichtmuseum» wird, wie sie sagt. Doch wer die Umfrageresultate liest, bekommt den Eindruck, dass viele 16- bis 25-Jährigen dieses Freilichtmuseum mögen. Nur gerade jeder Zwanzigste ist für einen EU-Beitritt. Schweizer Werte gelten als «in», und nach dem grössten Problem des Landes gefragt, nennen die meisten die Ausländerfrage.

Nicht nur wenns um Politik geht, sind die Jugendlichen das, was man gemeinhin als konservativ bezeichnet: Sie träumen von einem eigenen Haus und einer Familie mit Kindern, Rauchen und Drogen sind total «out». Ist all das konservativ, rückwärtsgewandt? Interessanterweise deklarieren sich die Jugendlichen selbst als modern. Ganz offensichtlich sind für sie die traditionellen Werte hip.

Soziologen sehen hier natürlich einen Widerspruch, aber mit welcher Legitimation? Wer hat die Deutungshoheit darüber, was modern und was konservativ ist – und sind das zwingend Gegensätze? Die Frage ist müssig. Es mag langweilig wirken, aber vielleicht sind die Jungen weder konservativ noch modern, sondern einfach vernünftig.

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