Antwort von Oswald Grübel: Es ist schade, dass Herr Gabriel sich zu einer so unbedachten Äusserung hat hinreissen lassen. Die mildernden Umstände sind, dass er im Wahlkampf ist und gerne Kanzlerkandidat der Sozialisten werden möchte, dass auch Schweizer Politiker sich sehr negativ über ihre eigenen Banken geäussert haben und dass es heute en vogue ist, über Banken das Schlimmste zu behaupten.

Die Wahrheit ist, dass unsere Banken weder kriminell noch gut organisiert sind. Sie arbeiten unter den jeweiligen Gesetzen der Länder, in denen sie Geschäfte tätigen. Leider sind sie nicht gut genug organisiert, um diese Angriffe abzuschmettern. Das mag daran liegen, dass wir zwei sehr grosse Banken mit fast 50 Prozent Marktanteil und 300 kleine Banken haben, deren Meinungen nicht immer unter einen Hut zu kriegen sind.

Aber das wirklich Schlimme ist, dass deutsche Politiker es verstanden haben, die Schweiz in die Defensive zu drängen und dass wir zugestimmt haben, für sie als Steuereintreiber zu arbeiten. Das ist einmalig in der Beziehung zwischen zwei souveränen Staaten und der Schweiz nicht würdig.

Weiterhin verlangen die Deutschen etwas von uns, wozu sie selbst nicht bereit sind. Wir sollen keine unversteuerten Gelder mehr von Deutschen annehmen, obwohl in Deutschland jeder Ausländer, auch Schweizer, ein Konto eröffnen kann, ohne dass er gefragt wird, ob die Gelder versteuert sind. Das muss der Gipfel der Bigotterie sein und bildet eine schlechte Grundlage für Staatsverträge.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!