Der Kommentar: Sein Name ist Heer. Alfred Heer. Er ist kein 007, sondern der Mister Q der Zürcher SVP. Am liebsten entwickelt er Luftblasen. Mit einem einzigen Satz wurde Heer jetzt zum bekanntesten Schweizer in Deutschland: «Falls Deutschland gestohlene Bankdaten kauft, werden wir auf eine Gesetzesänderung hinarbeiten, dass sämtliche Schweizer Konten von deutschen Personen, die öffentliche Ämter bekleiden, offengelegt werden müssen.»

Eine klassische Drohung aus dem Hause Heer. Weil die «Bild»-Zeitung, in der er sich zitieren liess, die grösste Zeitung Deutschlands ist und Journalisten knackige Quotes lieben, rauschte die Drohung durch den Blätterwald. Selbst in die «New York Times» schaffte es Heer. Da spielt es denn auch keine Rolle mehr, dass aus Alfred ein Albert wurde. Beweise hat er selbstverständlich keine und Namen schon gar nicht. Auf Nachfrage fällt Heer gerade mal eine Jahreszahl ein: 1999 sei doch die CDU-Spendenaffäre gewesen. Der Ansatz aber, dass er deutsche Politiker als Steuersünder auffliegen lassen will, kommt an – beim deutschen Wähler jedenfalls. Heer wird mit Dankesmails überschwemmt.

Heer ist unser neuer Aussenminister, während Micheline Calmy-Rey lieber das macht, was sie eigentlich nicht gut kann: Sie schweigt. Im Gegensatz zu ihrer vorbildlichen Offensive im Nachgang zur Anti-Minarett-Initiative bleiben Calmy-Rey und ihre Kollegen in den deutschen Medien stumm. Kein Interview mit Finanzminister Hans-Rudolf Merz, kein Interview mit Bundespräsidentin Doris Leuthard, kein Interview mit dem Schweizer Botschafter in Berlin. Dafür erklären Heer, Roger Köppel und Ulrich Schlüer den Deutschen, wie wir Schweizer ticken.

Umgekehrt funktioniert die mediale Offensive bestens: Finanzminister Wolfgang Schäuble spricht in der «Tagesschau», sein Vorgänger Hans Eichel in der «Arena» und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle im «Sonntag». In Bundesbern heisst es, die Zeit für öffentliche Auftritte sei noch nicht reif. Die Wahrheit ist, dass eine Strategie fehlt. Und ohne Strategie fehlt auch die Botschaft. Es ist ein Lehrbeispiel an verpasster Krisenkommunikation.